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Häuserrisse in Staufen

Eine Stadt zerbricht

Riss am Rathaus-Café
Foto: dpa

Staufen - Südlich von Freiburg, in dem kleinen Städtchen Staufen, ereignet sich derzeit ein Naturschauspiel der besonderen Art: Die Erde hebt sich, Häuser bersten. Aber ist es auch eine Naturkatastrophe? Oder vielmehr eine menschgemachte?

Die Zentimeter-Skala ist ein Zeugnis des Zerfalls. Strich für Strich dokumentiert sie das Bersten der Wand. Beginn Dezember 2007, Ende offen. Irgendwann hat Claus Hermann mit dem Nachmessen aufgehört. Im Februar 2009 kann man fast die Hand in den Spalt stecken. „Noch ein Jahr, dann könnte es kritisch werden“, sagt der Statiker des Hausbesitzers.

Dabei hat es der 58-Jährige richtig schön. Whirlpool im Erdgeschoss, Fußbodenheizung, Kachelofen, Garten, Fachwerk, das perfekte Eigenheim-Idyll. Aber jetzt kommen die Risse.

In den Wänden, durch den Fußboden. Durch den Garten. Durchs Bad, durch die Toilette. Vertikal, horizontal – Risse, wohin man blickt. „Das Schlimme ist, dass man nicht weiß, was noch alles kommt“, sagt Hermann.

Aktuell zählt die Stadtverwaltung von Staufen 144 Geschädigte. Fast alle in der historischen Altstadt. Aber auch im Gewerbegebiet jenseits des Flüsschens Neumagen gibt es schon die ersten Risse. Im Rathaus ist die Statik so aus den Fugen geraten, dass sich die in Eisen gefasste Wendeltreppe vom Turm löst.

Ursache: Die Erde unter Staufen hebt sich. Einen Zentimeter pro Monat. Hermann hat das Epizentrum hinterm Rathaus ausgemacht. Sieben runde Löcher zeugen von einer Geothermiebohrung, die im September 2007, wenige Wochen, bevor die ersten Risse auftraten, begonnen wurde. Ein Gutachter vermutet, dass die Gipskeuperschicht aufgegangen ist wie ein Hefekuchen im Ofen. Nur warum? Aus einem natürlichen Grund – oder weil das Gestein durch die Bohrung mit Wasser in Kontakt gekommen ist? Das Gutachten geht „mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1“ von Letzterem aus.

Mit einer Erkundungsbohrung will die Stadt der Sache nun auf den Grund gehen.

Unterdessen hat das Landesamt für Geologie einen Quasi-Bohrstopp für weite Teile des Landes verhängt. Überall, wo Gips oder Anhydrit vermutet wird, empfiehlt das Landesamt den unteren Behörden den Abbruch der Erdwärmebohrung – was de facto einem Verbot gleichkommt. Laut dem Leiter des Landesamts, Ralph Watzel, gilt das für gut ein Drittel der Landesfläche. Obwohl zehntausende Bohrungen bisher problemlos verlaufen seien, könne er ein zweites Staufen nicht ausschließen.
 

Gregor Preiss

16.02.2009 - aktualisiert: 16.02.2009 18:32 Uhr

 



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