Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 19.02.2009
96 Hours
Rambo in Paris
Kaum ist das 17-jährige Töchterchen in Paris gelandet, wird sie von brutalen Mädchenhändlern verschleppt. In letzter Sekunde schickt sie ihrem Vater einen Hilferuf über den großen Teich. Der ist Staatsermittler a. D. und eilt ohne zu zögern nach Paris, um seine Tochter zu befreien.
Es gibt gefällige hirnlose Filme ("No Brainer") und solche, die einfach nur ärgerlich sind. Zu Ersteren gehört der von Luc Besson und Robert Mark Kamen geschriebene "Transporter 3", der sich nicht wirklich ernst nimmt und Spaß macht. Der vom selben Autorenteam erdachte "96 Hours" hingegen gehört zur zweiten Gattung: Wenn sich Liam Neeson als Ein-Mann-Armee im Rambo-Stil durch die Untiefen der Pariser Unterwelt schießt, dann bleiben alle Augen trocken und kein Bösewicht am Leben.
Handwerklich lässt Regisseur Pierre Morel zwar kaum Wünsche offen (schnelle Schnitte, ausgefeilte Tonspur), und Liam Neeson macht böse Mine zum bösen Spiel, doch hilft das alles nichts bei einem Drehbuch, das mehr Wert auf Gewalt denn auf eine plausible Story legt und es damit auch noch ernst meint. Angesichts der glorifizierten Selbstjustiz und der Brutalitäten, mit denen selbst Unschuldige als Mittel zum Zweck malträtiert werden, ist die Freigabe ab 16 Jahren genauso zweifelhaft wie das gesamte Filmvergnügen.
Wolfram Hannemann
19.02.2009 - aktualisiert: 19.02.2009 11:27 Uhr