Stuttgart - Um die Vogelgrippe und die befürchtete Übertragung des Virus auf den Menschen ist es ruhig geworden in Deutschland. Dennoch bereitet die Vorsorge für eine mögliche Pandemie dem städtischen Klinikum Kopfzerbrechen - die eingelagerte Arznei nähert sich dem Verfallsdatum.
Rund 300.000 Tabletten des Grippemittels Tamiflu, das im Ernstfall als Virenhemmer dient, lagern im Keller des Katharinenhospitals. Doch im Laufe des Jahres 2010 erreichen sie allesamt das Verfallsdatum. Dann muss die Stadt Medikamente im Wert von rund 600.000 Euro entsorgen und für einen ähnlich hohen Betrag Ersatz beschaffen.
Ursprünglich sei der Stadt in Aussicht gestellt worden, den Medikamentenvorrat im jährlichen Turnus beim Hersteller gegen neue Arzneimittel tauschen zu können, räumte Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne) auf Nachfrage unserer Zeitung ein. "Wir haben jedoch keine Ausnahmegenehmigung bekommen. Das Krankenhausapothekenrecht erlaubt es uns nicht, die Tabletten an freie Apotheken oder andere Krankenhäuser zu verkaufen", erklärte Murawski. "Der Hersteller ist nicht bereit, etwas zurückzunehmen." Das Grippemittel Tamiflu des Schweizer Pharmakonzerns Roche gilt neben Relenza als einziger Prophylaxe gegen die Influenza.
Die Bilder massenhaft verendeter Vögel sind längst von den Fernsehbildschirmen verschwunden, gebannt ist die Gefahr deshalb aber keineswegs. "Die Bedrohungslage hat sich im Prinzip seit 2004 nicht geändert", erklärte Martin Priwitzer, Leiter des Bereichs Infektionsschutz beim Gesundheitsamt, am Freitag vor dem Krankenhausausschuss. Zu dieser Einschätzung kommt auch das Berliner Robert-Koch-Institut: "Das Risiko für die Entstehung eines neuen Influenzavirus, das eine weltweite Grippewelle auslösen kann, hat sich in den vergangenen Monaten nicht wesentlich geändert."