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Alternative Heilmethoden (11):

Phytotherapie - Unerschöpfliche Schatztruhe der Natur

Foto: dpa

Wie Arzneipflanzen und Heilkräuter auf sanfte Art helfen
 

Heilkräuterkunde ist der Inbegriff sanfter Medizin. In Pflanzen verbirgt sich eine heilende Kraft, auf die Menschen seit Urzeiten vertrauen. Das entsprechende medizinische Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Pflanzen bildeten die Ausgangsstoffe zur Herstellung von Arzneimitteln. Phytotherapie, die Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen mit Hilfe von Pflanzen, ist das älteste Heilverfahren, das schon im sechsten Jahrtausend v. Chr. angewandt wurde.

Jahrtausende bevor Antibiotika, Schlaftabletten und Psychopharmaka erfunden wurden, hat man Krankheiten mit natürlichen Heilmitteln behandelt. Aus- und ableitende Verfahren wie der Aderlass, das Schröpfen und die Blutegeltherapie, Heilkräuterkunde und Badeheilkunde (Hydrotherapie) waren schon den alten Römern bekannt. Ihre Blütezeit erlebte die europäische Kräuterheilkunde im Mittelalter. In den Klöstern wurde das medizinische Wissen der Kelten, Griechen und Römer überliefert und praktiziert.

Die ganzheitlich denkende Naturheilkunde greift vor allem auf Erkenntnisse zurück, die in den Klöstern überliefert wurden. Das Lorcher Arzneibuch von 790, das "De Viris herbarum" Odo de Meungs (11. Jahrhundert) und vor allem die "Physica", das naturheilkundliche Kompendium Hildegard von Bingens (12. Jahrhundert), prägten bis ins 19. Jahrhundert diese Form der Heilkunde.

Bis zum Aufkommen synthetisch-chemischer Präparate gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Kräutermedizin das wichtigste Therapieverfahren, um Krankheiten zu behandeln. Heute kennt man mehr als 3000 Heilpflanzen, gut 500 von ihnen werden zur Herstellung von Arznei genutzt.

Die moderne Medizin ist ohne Phytotherapie nicht denkbar. Eine Vielzahl der verschriebenen Arzneimittel basiert auf pflanzlichen Substanzen. Im Unterschied zu synthetisch hergestellten Medikamenten, die in der Regel nur einen Wirkstoff enthalten, liegt die Kraft der Kräuter in der Vielzahl ihrer Inhaltsstoffe wie ätherische Öle, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide, Vitamine oder Mineralstoffe. Heilkräuter sind in Form von Tinkturen, Tabletten, Kapseln, Salben, Tees oder Badezusätzen erhältlich.

Die Heilkraft der Kräuter liegt nicht in der separaten Verwendung einer Substanz, sondern im Synergieeffekt und in der Kombination einzelner Wirkstoffe begründet. Ziel der Phytotherapie ist die Wiederherstellung und Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers. Deshalb werden die Mittel individuell auf den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten.

Kamille und Arnika beispielsweise hemmen mit ihren ätherischen Ölen Entzündungen, Fenchel und Kümmel sind blähungstreibend und regulieren die Magen-Darm-Funktion. Teebaum und Ringelblume sind antimykotisch und eignen sich zur Behandlung von Wunden, Verbrennungen und Pilzinfektionen. Fenchel, Thymian und Melisse galten schon im Mittelalter als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden. Das Kernöl der Johannisbeere enthält Gamma-Linolensäure, ein Stoffwechselprodukt, das Menschen mit Neurodermitis fehlt. Baldrian und Johanniskraut lindern Unruhezustände und Depression.


Vorteile:
Hauptanwendungsgebiete von Heilpflanzen sind chronische Beschwerden wie Migräne, Arthritis und Allergien. Akute und schwere Erkrankungen müssen schulmedizinisch behandelt werden. Pflanzliche Heilmittel liegen im Trend, auch weil sie gegenüber konventionellen Medikamenten weit weniger Nebenwirkungen haben. Allerdings dauert es wesentlich länger, bis sie wirken.

Nachteile:
Kritiker sehen in Phytopharmaka nur Placebos, deren Wirkung mehr auf einem psychologischen Effekt als auf nachprüfbaren Fakten beruht. Oft werde mehr versprochen, als der Hersteller halten kann. Tatsächlich ist das komplexe Wechselspiel der Wirkstoffe bisher nur unvollständig erforscht. Nur wenige Arzneipflanzen sind so gut untersucht wie die Weidenrinde, aus der Salicin isoliert wird (Grundstoff von Aspirin), oder das Digitoxin des Fingerhuts, aus dem ein Herzmedikament gewonnen wird.


www.phythotherapie-komitee.de

www.heilpflanzen-suchmaschine.de

www.heilkraeuter.de
 

Markus Brauer

03.03.2009 - aktualisiert: 03.03.2009 16:00 Uhr

 



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