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Tunnelunglück in Köln

Stuttgart und Karlsruhe alarmiert

Stuttgart/Karlsruhe - Das schwere Tunnelunglück in Köln hat in Stuttgart die Gegner des geplanten Tiefbahnhofs auf den Plan gerufen. Ein Unglück sei auch hier "nicht ausgeschlossen", warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor dem Bau von 66 Kilometer Eisenbahnröhren.

Seit 40 Jahren werden in Stuttgart Tunnel für Stadt- und S-Bahn gegraben, die ersten Autotunnel im Westen und Osten der Stadt sind noch älter. Allein die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) betreibt 24 Kilometer Tunnelstrecken und gräbt aktuell unter Zuffenhausen und dem Stadtteil Fasanenhof neue Röhren. "Sicherungsmaßnahmen sind immer individuell auf die jeweilige Geologie abgestimmt", sagt SSB-Sprecherin Susanne Schupp. Zu Köln äußere man sich nicht.

"Wir treffen für alle erkennbaren Risiken Vorsorge", verweist ein Bahn-Sprecher auf Probebohrungen. Der Bund sieht in der gewaltigen Baugrube für den neuen Tiefbahnhof und den innerstädtischen Tunnelring dennoch erhebliche Risiken, zum Beispiel für den 56 Meter hohen Bahnhofsturm. Der ruht auf 290 Eichenpfählen. Keiner könne sagen, was passieren werde, wenn für den Bahnhofsneubau über Jahre das Grundwasser abgesenkt werden müsse.

Der einzige größere Unfall bei Tunnelbauarbeiten in Stuttgart datiert von Februar 1981. Damals brachen auf 20 Meter Länge 500 Kubikmeter Gestein in die mit Spritzbeton gesicherte S-Bahn-Röhre bei der Universität Vaihingen. Anwohner mussten für einige Tage ihre Häuser verlassen, die Bahn fräste sich wegen befürchteter "Nachbrüche" nur noch maximal zwei Meter voran, bevor die Tunnelschale betoniert wurde. Geologische Untersuchungen hätten keinen Hinweis auf Erdablösungen erbracht, sagte die Bahn damals.

Auch in Karlsruhe schrillen nach dem Unglück in Köln die Alarmglocken. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll in der Stadt mit dem umstrittenen Bau der sogenannten U-Strab begonnen werden. Die Genehmigungen sind erteilt, die Finanzierung des knapp 600 Millionen Euro teuren Gesamtprojekts steht weitgehend, und die vorbereitenden Planungen laufen auf Hochtouren. Schon werden Stimmen laut, die einen Stopp des Gesamtvorhabens fordern. Die Äußerung von Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma, der laut Medienberichten den U-Bahn-Bau in bewohnten Städten grundsätzlich in Frage stellte, wirkt da wie Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

"Wir müssen abwarten, was die Untersuchungen in Köln ergeben", warnt der städtische Pressesprecher Bernd Wnuck vor Schnellschüssen. Gerhard Schönbeck von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft, die für den Bau der Kombilösung zuständig ist, sagt: "Unser Tunnel wird nicht unter Häusern hindurchgehen, außerdem bauen wir nicht so tief." Denn je tiefer gebaut wird, desto schwieriger sei es, exakt zu arbeiten - und damit steige das Risiko.
 

Winfried Heck, Konstantin Schwarz

04.03.2009 - aktualisiert: 04.03.2009 19:08 Uhr

 



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