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Sindelfingen

Verbot von Waffenmesse gescheitert

Mascow mit Gewehr von 1944
Foto: Wagner

Sindelfingen - Kurz nach dem Amoklauf in Winnenden hat die Stadt Sindelfingen eine Waffenbörse für reichlich unpassend gehalten. Die Kommune hat die Veranstaltung in der Messehalle verboten, scheiterte am Freitag damit aber gleich vor zwei Gerichten.

Hektik im Rathaus und bei Wolf Krey, dem Veranstalter der Waffenmesse. Gerade hat der Mann aus Molfsee bei Kiel von seinem Rechtsanwalt erfahren, dass das Verwaltungsgericht Stuttgart das Verbot in einer Eilentscheidung aufgehoben hat. Jetzt klingelt das Telefon wieder, der Jurist der Stadt ist dran.

Es gibt Auflagen für die bis Sonntag laufende Veranstaltung. Kein Zutritt für unter 18-Jährige. Krey nickt, informiert das Kassenpersonal und die Mitarbeiterin, die den Internetauftritt pflegt. "Keine Altersbeschränkung" steht dort unter der Rubrik Besucherinfos. Der Text verschwindet: "Eintritt ab 18 Jahre" heißt es jetzt.

Aufregung auch bei den über 100 Ausstellern in der Messehalle. Sieben davon handeln mit funktionstüchtigen Waffen, darunter Jürgen Mascow aus Flensburg. "Ein Besucher hat im Radio gehört, die Messe findet nicht statt." Es ist Freitag, kurz vor elf Uhr. Die Veranstaltung läuft seit einer Stunde. "Das ist geschäftsschädigend", sagt Krey, und meint damit die Stadt. Ihr wirft er vor, die Medien voreilig informiert zu haben.

"Die ganze Sache ist schlimm, aber wir haben doch nichts damit zu tun", meint Mascow zum Amoklauf des 17-Jährigen. "Nur ein Mann hat schuld", sagt Ehefrau Sylvia. Wer? "Der Vater, er hätte die Waffe wegschließen müssen." Ein Verbot der Messe wäre "teuer für die Stadt" geworden, ist ihr Mann sicher. Standgebühren, Hotel und Benzinkosten summieren sich bei ihm auf 2500 Euro. "Rechnen Sie das mal mit 100 Ausstellern hoch." Das Paar handelt mit Militärwaffen der Jahre 1870 bis 1945.

"Hoffentlich gibt es in Stuttgart keinen Ärger", sagt ein Militaria-Händler. Er will auch bei der Waffenbörse in der Landesmesse (3. bis 5. April) Stahlhelme, Offiziermützen und Orden verkaufen. "Wegen einem alle bestrafen ist Blödsinn", meint er.

"Wir haben die Messegenehmigung widerrufen, weil nach der schrecklichen Tat von Winnenden mit Demonstrationen zu rechnen und die öffentliche Sicherheit möglicherweise gefährdet ist", so Sindelfingens Erster Bürgermeister Helmut Riegger am Freitag. Das sei das Ergebnis einer Besprechung mit Vertretern von Polizei und Staatsschutz am Donnerstag gewesen. Krey sollte die Waffenbörse absagen, er lehnte ab. Um 20.15 Uhr hatte er das Verbot schriftlich.

Der Veranstalter wehrte sich und bekam am Freitagmorgen vom Verwaltungsgericht Stuttgart recht. Die Stadt ging zur nächsten Instanz - und verlor wieder. Der sechste Senat des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg wies die Beschwerde am Nachmittag zurück. "Die Gründe gibt es erst nächste Woche", sagt der Gerichtssprecher. Helmut Riegger meint: "Wir akzeptieren, aber bedauern diese Entscheidung."
 

Ulrich Hanselmann

13.03.2009 - aktualisiert: 13.03.2009 18:14 Uhr