Stuttgart - Das Nein zum Computerspiel-Wettbewerb in der Liederhalle hat laut Hallenbetreiber der Veranstalter zu verantworten: Wären die als Killerspiele kritisierten Spiele gestrichen worden, hätten der Wettkampf stattfinden können, sagt Sprecher Jörg Klopfer. Die Spieler kritisieren die Entscheidung.
Bereits zum fünften Mal hätten an diesem Freitag in der Liederhalle die "Bundesweite Liga für Computerspiele" das sogenannte Friday Night Game austragen sollen. Wettkampfstart für die Deutsche Meisterschaft, in der es um 130.000 Euro Preisgeld geht, war bereits vor einer Woche in München. Weitere acht deutsche Städte stehen bis zum Finale im Juni in Köln auf dem Tourenplan der Liga. Gespielt werden Strategie- und so genannte Killerspiele wie Warcraft und Counter-Strike, in denen Gegner getötet werden.
Die Spieler selbst kritisieren, dass sie in Stuttgart nicht gegeneinander antreten können. "Damit vergibt Stuttgart die Chance, dass die Zuschauer erfahren, was hinter den Spielen steckt. Sogar eine Einführung für Lehrer und Eltern war in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung geplant", sagt Roman A. aus Ostfildern. Der 22-Jährige nimmt seit Jahren regelmäßig an den Wettkämpfen teil und fühlt sich durch die Absage diskriminiert. "Das rückt uns Spieler in ein schlechtes Licht und stellt einen falschen Zusammenhang zum Amoklauf her." Das auch Killerspiele normale Hobbys sind, belegt er mit seiner eigenen Person: "Ich bin Speditionskaufmann, wohne mit meiner Freundin zusammen, habe einen Hund und Freunde. Statt abends fernzusehen, spiele ich am Computer." Roman versichert, die Spiele auch zu spielen, wenn mit "Schneebällen statt Pistole" geschossen würde. Seine Mitspieler und Gegner in der Liga würden ähnlich denken wie er, meint der 22-Jährige.
Anders denkt Johann Theisen. Der 18-jährige Stuttgarter Gymnasiast ist kein Wettkämpfer, bewegt sich aber gern mit der Waffe durch virtuelle Welten: "Den Wettbewerb abzusagen, halte ich für richtig. Ich selbst kann im Moment kein Counter-Strike spielen." Auch als Zuschauer würde er an der Veranstaltung nicht teilnehmen. "Ich hätte dabei ein schlechtes Gewissen", so seine Begründung.
Bei der Ojektgesellschaft schließt man nicht aus, dass der Coputerspiel-Wettkampf irgendwann wieder in Stuttgart stattfindet. "Die Spiele sind nicht verboten. Und es ist nicht unsere Absicht, die Spieler als potenzielle Amokläufer verurteilen", stellt Jörg Klopfer, Sprecher der Objektgesellschaft Veranstaltungen und Märkte Stuttgart klar. Allerdings müsse abgewartet werden, wie die politische Diskussion verlaufe.
Dass die Objektgesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, den Wettkampf in der Liederhalle am kommenden Freitag in Übereinkunft mit OB Wolfgang Schuster abgeblasen hat, habe auch der Veranstalter mit zu verantworten. Klopfer: "Es gab keinen Kompromissvorschlag. Vertretbar wäre eine Art Sonderspieltag gewesen, bei dem die umstrittenen Spiele hätten gestrichen und durch andere ersetzt werden können." Eine entsprechende Anfrage beim Veranstalter habe es gegeben.
Die Turtle Entertainment GmbH will hingegen von einer solchen Anfrage nichts wissen. "Der Mietvertrag für die Halle wurde uns kurzfristig am vergangenen Dienstag gekündigt. In die Entscheidung wurden wir nicht eingebunden", sagt Sprecher Ibrahim Mazari und versichert, der Betreiber habe weder eine Verschiebung der Veranstaltung noch den Ausschluss bestimmter Spiele vorgeschlagen. Zwar sehe man keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Spielen wie Warcraft und Counter-Strike mit dem Amoklauf in Winnenden. Doch weil man Verständnis für die Situation in Stuttgart habe, wäre man dialogbereit gewesen.
Auf Einhaltung des Mietvertrags zu klagen, wie es die Sindelfinger Waffenbörse erfolgreich vorexerzierte, nachdem die Stadt Sindelfingen die Messe ebenfalls kurzfristig wegen des Amoklaufs abgesagt hatte, will die Turtle Entertainment GmbH verzichten. Nicht allerdings auf eine Schadenersatzforderung in noch unbekannter Höhe.