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EU-Vorstoß

Verwirrende Energiespar-Etiketten

Neue Labels auf Kühlschränken und Waschmaschinen sollen helfen, den Stromverbrauch zu senken
 

Neue Etiketten auf Haushaltsgeräten sollen es den Verbrauchern künftig einfacher machen, energiesparende Kühlschränke oder Waschmaschinen zu kaufen. Experten halten das neue Kennzeichnungssystem der EU allerdings für verwirrend.

In Zeiten hoher Strompreise ist Energieeffizienz im Haushalt ein Dauerthema. Ob ein Produkt ein Stromfresser oder ein Stromsparer ist, ist für viele Kunden, neben Komfort, Design und Funktionalität, zum Hauptkriterium für den Kauf geworden. In der EU gibt es seit mehreren Jahren verschiedene Label, die in puncto Energieeffizienz Orientierung im Warendschungel geben sollen. Nun haben sich die EU-Staaten auf eine Neugestaltung eines der bekanntesten dieser Labels für Haushaltsgeräte geeinigt.

Bisher teilte eine EU-Regelung die Geräte in die Verbrauchsklassen A bis G ein. Weil die Hersteller daraufhin immer mehr sparsame Geräte anboten und die Skala nach oben knapp wurde, kamen die Klassen A+ und A++ hinzu. Ab Januar 2011 sollen nun Prozentangaben, etwa A -20 Prozent, den Verbrauchern anzeigen, wie viel ein Gerät weniger verbraucht als ein herkömmlicher Apparat der Gruppe A (im Bild: Beispiel eines Labels für einen Ferseher). Die Bezeichnungen + und ++ entfallen. Nach Ansicht des federführenden EU-Kommissions-Ausschusses verbessere das neue Etikett die Vergleichbarkeit der Produkte und fördere die Entwicklung effizienterer Technologien.

Verbraucherschützer und Umweltorganisationen bezweifeln jedoch genau das. "Die neue Kennzeichnung sei genau wie die alte verwirrend", sagt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So könnten auch in Zukunft Produkte, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprächen, mit einem A gekennzeichnet werden.

Tatsächlich ist der Buchstabe A allein schon lange kein Beleg für energiesparende Geräte. Im Hintergrund steht, dass die technische Entwicklung in den einzelnen Produktklassen seit der Einführung der Urform des Labels 1998 unterschiedlich schnell vorangeschritten ist. Während ein Wäschetrockner mit Energieeffizienz B zurzeit zum guten Durchschnitt gehört, ist eine mit demselben Buchstaben versehene Waschmaschine ein Stromfresser. Ein A bei Kühl- oder Gefrierschränken entspreche einem C bei Waschmaschinen, sei also "ziemlich ineffizient", sagt Annegret Agricola, die bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena) für Energieeffizienz zuständig ist.

Umweltschutzverbände hatten deshalb gefordert, die Effizienzstandards für die A-Klasse anzuheben und alle Geräte, die die neuen Vorgaben nicht erfüllen, herabzustufen. Dagegen liefen aber die Hersteller Sturm - mit Erfolg. Nach Ansicht von Verbraucherschützerin Keßler sollten Geräte, die lange am Markt sind, ohne effizienztechnisch verbessert worden zu sein, herabgestuft werden. Zum Zeitpunkt des Kaufs wisse der Kunde dann, ob er einen energetischen Ladenhüter kaufe oder einen Hersteller unterstütze, der in saubere Technik investiere.

Positiv ist nach Ansicht von Expertin Agricola, dass künftig auch Heimelektronik mit Energieeffizienzlabeln ausgestattet werden soll. Für Fernseher gilt das schon ab Mitte 2010. Durch den Trend hin zu großen LCD- oder Plasmabildschirmen etwickelten sich Fernseher zu Großverbrauchern im Haushalt. Der Druck auf die Hersteller müsse hier erhöht werden. Denn in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die Kunden sich über das Thema Energiesparen eher Gedanken machten, wenn das Produkt mit einem Energieetikett versehen sei.
 

Walther Rosenberger

13.04.2009 - aktualisiert: 13.04.2009 18:39 Uhr

 



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