Stuttgart - Mit einem neuen Skatepark bekommen Jugendliche im Stuttgarter Norden jetzt mehr Spielraum. Dennoch bleibt's beim Mangel: Im Stadtgebiet haben Kinder und Jugendliche zu wenig Platz. Das Spielflächenangebot stagniert bei rund 100 Hektar - das sind 43 Hektar oder 100 Spielplätze weniger als von den Stadtplanern gefordert.
Rund acht Jahre Hickhack wegen zu hoher Kosten gingen dem Bau der Skater- und Ballspielanlage am Pragfriedhof voraus, bis der Gemeinderat grünes Licht dafür gab. Obwohl die 1,6 Millionen-Euro-Anlage erst am 19. Mai öffnet und das Betreten der Baustelle verboten ist, nutzen viele Jugendliche sie schon jetzt. Das 6700-Quadratmeter-Areal verbessert die Spielflächensituation im gesamten Stadtgebiet prozentual aber kaum.
Der aktuelle Spielflächenleitplan von 2007, der sich auf Erhebungen aus den Jahren 2005/2006 bezieht, gibt die Versorgung im Stadtgebiet mit rund 70 Prozent an. Die 100 Hektar Spielfläche verteilen sich auf 530 Spielplätze.
Vor allem in den Innenstadtbezirken ist die Situation katastrophal: So liegt die Versorgung im Bezirk Mitte laut Spielflächenleitplan mit 20.000 Quadratmetern bei 20 Prozent. "Tatsächlich sind nur zehn Prozent erreicht. Aufs Doppelte kommt man durch die Änderung der Berechnungsgrundlage. Mitgerechnet wird jedes Stückchen Grün, auch wenn es nicht zum Spielen taugt", sagt Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle.
Außerdem fehlen Spielgeräte. Weil sie nicht mehr sicher waren, wurden seit vergangenem Jahr rund 170 Rutschen, Karussells und Schaukeln abgebaut - 40 mehr als 2007. Ersatz gibt es aus Kostengründen nicht. Auf dem Spielplatz an Urbanstraße und Eugenstaffel im Bezirk Mitte steht kein einziges Gerät mehr.
Kaum besser ist die Situation im Westen. Dort liegt die Spielfläche bei rund 61.000 Quadratmetern. Das sind etwa 35 Prozent des Soll. Die Versorgung im Stuttgarter Süden hat mit 69.000 Quadratmetern etwa 58 Prozent erreicht. Im Stuttgarter Osten und Norden sind mit rund 52.000 und 27.000 Quadratmeter Spielfläche je 40 Prozent des Bedarfs gedeckt. Mit dem neuen Skatepark und Bolzplatz steigt die Spielfläche im Norden auf 50 Prozent.
Weil freie Flächen im Zentrum knapp sind, lassen sich dort laut Werner Koch, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, kaum weitere Spielflächen schaffen. Sein Jahresetat für Unterhalt und Neubau von Spielplätzen wurde seit 1993 von drei Millionen auf 6,9 Millionen Euro aufgestockt. Parallel wurden allerdings die Stellen im Bereich Spielplatz- und Grünflächenpflege von 270 auf 160 reduziert.