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Wanderzeit

"Um die Aussicht zu genießen"

Foto: dpa

Jetzt wandern sie wieder. Sobald das Frühjahr naht, ziehen ganze Hundertschaften über die Berge von Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Wandern ist groß in Mode. Doch es ist auch ein Zeichen von Luxus. Denn zu Zeiten, da sich die Menschen um ihr karges Brot sorgen mussten, war die Natur nichts Anderes als Basis für die wirtschaftliche Existenz. Vor allem im armen Schwabenland. Als der Stuttgarter Student Christoph Heinrich Pfaff Ende des 18. Jahrhunderts eine siebentägige Fußreise über die Alb antrat und am Fuß des Rossbergs ankam, versetzte er eine Gruppe Einheimischer in Erstaunen: "Hier versammelten sich um uns viele Leute, die in dieser Gegend Holz sammelten und sich außerordentlich wunderten, da wir ihnen sagten, dass wir sogar noch den Rossberg besteigen würden, bloß um die Aussicht zu genießen", notierte Pfaff in sein Journal. Hundert Jahre später stand auf dem 869 Meter hohen Berg der erste Turm. Wer am Wochenende dort hinaus ins Land schauen will, darf nicht menschenscheu sein.


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PS: Zu unserer gestrigen Schwäbisch-Spalte merkte Leserin Roswitha Kretschmer an: "Ich musste schmunzeln, als ich die Rubrik "Marmelade und Rauchfleisch" las. Meinem Mann passierte in den 60er Jahren dasselbe - jedoch in umgekehrter Weise: Er war zur Grundausbildung bei Regensburg und hatte enorme Probleme mit der dortigen Sprache - und die Menschen dort wiederum mit seinem Schwäbisch. Da ja Heimfahrten damals nur ganz selten erlaubt wurden, trafen sich die Rekruten Samstagabends im Dorfwirtshaus. Völlig verblüfft war mein Mann, als ein einheimischer Rekrut ihn fragte, ob er mitkommen wolle, es gäbe dort immer ein tolles Gselchts zum Bier! Mein Mann konnte es nicht fassen: Marmelade zum Bier! Was haben die für einen Geschmack! Die Aufklärung kam im Wirtshaus, als Schinken serviert wurde!
 

Arnold Rieger

16.04.2009 - aktualisiert: 24.04.2009 16:41 Uhr

 



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