Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 23.04.2009
Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt
Urteilsfrei
Manchmal braucht es mehr als nur zwei Stunden, um ein Menschenleben im Film zu erfassen - deshalb hat Jean-François Richet seine Verfilmung der Autobiografie des französischen Gangsters Jacques Mesrine zweigeteilt. Teil Eins verfolgt Mesrines Werdegang vom Kleinganoven zum harten Gangster. Desillusioniert kehrt er in den 60er Jahren aus dem Algerienkrieg zurück. Regeln widern ihn an, und so avanciert er unter den Fittichen des Obergangsters Guido (schwergewichtig: Gérard Depardieu) zum skrupellosen Verbrecher. In der schönen Jeanne findet er eine Seelenverwandte, für die er Frau und Kinder verlässt, um fortan für spektakuläre Schlagzeilen zu sorgen.
Der Film nimmt keine Bewertung der Geschehnisse vor, sondern dokumentiert und beobachtet nur. So bleibt es dem Zuschauer überlassen, ein Urteil über Mesrine zu fällen. Vincent Cassel brilliert als charismatischer Bösewicht, Stilmittel wie Split-Screen-Technik in der Titelsequenz sind perfekt eingesetzt und spiegeln Zeitkolorit, und eine stakkatoartige Musik gibt dem Film seinen nervösen Rhythmus. Das alles macht Appetit auf Teil Zwei, der am 21. Mai in die Kinos kommt.
Wolfram Hannemann
23.04.2009 - aktualisiert: 23.04.2009 12:55 Uhr