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Walpurgisnacht

Mai-Treiben versetzt Polizei in Alarmbereitschaft

Böblingen/Korb - Auch in diesem Jahr rechnet die Polizei in der Region wieder mit viel Arbeit in der Nacht zum 1. Mai und am Feiertag selbst. Beamte in Uniform und in Zivil versuchen vor allem Alkoholexzesse von Jugendlichen zu unterbinden.
"Zwölfjährige mit Vodkaflaschen wollen wir nicht sehen", begründet der Böblinger Polizeisprecher Uwe Vincon die stärkere Polizeipräsenz. Unter die Feiernden auf der Straße und auf öffentlichen Plätzen schickt die Böblinger Direktion im Kreisgebiet deshalb nicht nur Beamte in Uniform, sondern auch Polizisten in Jeans und T-shirt. Ähnlich tritt die Polizei auch in den anderen Kreisen der Region Stuttgart auf. "Wir sind nicht zu übersehen", kündigt der Esslinger Polizeisprecher Fritz Mehl an.

Eine große Sorge sind die Sicherheitskräfte im Kreis Böblingen allerdings seit 2003 los: die Massenveranstaltung in der Walpurgisnacht auf der Leonberger Heide. Auf dem ehemaligen Golfplatz trafen sich in der Nacht zum 1. Mai, wenn das Wetter mitspielte, mehrere tausend vorwiegend junge Leute um ausgelassen zu feiern. Zuletzt bemühte sich die Stadt Leonberg um Schadensbegrenzung und stellte Toilettenhäuschen und Müllcontainer auf. Zusätzlich lag Brennholz für die Lagerfeuer bereit. Die Maßnahmen fruchteten nicht. Das Gelände sah nach der Feier aus wie eine Müllhalde. Zusätzlich kam es immer wieder zu Schlägereien und Alkoholexzessen. Während der letzten Feier 2002 brachte das Rote Kreuz 30 junge Leute mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.

Einige Monate später zog der Gemeinderat die Reißleine. Er verabschiedete für den ehemaligen Golfplatz eine so genannte Allgemeinverfügung. Der Erlass untersagt das Betreten des Geländes. Befürchtungen der Polizei, das Verbot sei nur schwer zu kontrollieren, haben sich mittlerweile zerstreut. "In den letzten Jahren ist es dort sehr ruhig geblieben", sagt Uwe Vincon.

Völlig anders sieht die Situation in Korb, Rems-Murr-Kreis, aus. Hoch über dem Weindorf, auf dem Hanweiler Sattel, treffen sich am 1. Mai Tausende von jungen Maiwanderern, um zu feiern. Auch sie hinterlassen den Waldspielplatz über den Weinbergen wie eine Müllkippe. Auch dort gibt es Schlägereien und Teilnehmer, denen der Alkohol die Sinne genommen hat.

Zum Leonberger Schritt konnten sich die Gemeinde und die Polizei allerdings noch nicht durchringen. Tagsüber, so Korbs Bürgermeister Jochen Müller, "ist ein solches Verbot noch schwerer durchzusetzen". Außerdem gebe es rund um den Hanweiler Sattel noch einige andere Mai-Veranstaltungen, die dann ebenfalls vom Zutrittsverbot betroffen wären. Für einen liberalen Umgang mit der unorganisierten Massenparty hat auch eine Stellungnahme der DRK-Helfer gesorgt. Nach ihren Feststellungen ist das Alkoholproblem auf dem Hanweiler Sattel kleiner als bei jedem Straßenfest.

Um Auswüchse im Keim ersticken zu können, richtet die Waiblinger Polizei auf der Partymeile in den Weinbergen wieder eine mobile Wache ein. Sie ist mit 20 Beamten besetzt. Die Polizisten haben in diesem Jahr ein besonderes Auge darauf, dass die Besucher keine großen Verstärkeranlagen auf den Festplatz transportieren. Aufgrund einer entsprechenden Verfügung der Gemeinde, dürfen solche Anlagen konfisziert werden. "Wir haben festgestellt, dass überlaute Musik dass Aggressionspotenzial erheblich gesteigert wird", erläutert Müller die Verfügung.
 

Gerhard Schertler

30.04.2009 - aktualisiert: 29.04.2009 18:42 Uhr

 



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