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Flugfeld Böblingen/Sindelfingen

"Stadt der Zukunft" wartet auf Investoren

Noch Zukunftsmusik: die Hochhäuser auf dem Flugfeld.
Foto: Zweckverband Flugfeld Böblingen/Sindelfingen

Manch ein Bauprojekt ist seit November in der Warteschleife
 

Stuttgart - Wer mit Olaf Scholz über das Flugfeld Böblingen/Sindelfingen sprechen will, kommt nicht umhin, auch das große Modell im Maßstab 1:500 anzuschauen. Hier im ersten Stock der Geschäftsstelle des Zweckverbandes in Böblingen zeigt der Geschäftsführer gerne die Dimensionen, die das zweitgrößte Entwicklungsgebiet in der Region nach Stuttgart 21 mit rund 80 Hektar einnimmt. Im aktuellen Modell sind auch schon die drei kreisrunden Hochhaustürme Realität. Der größte soll später einmal 200 Meter hoch werden und bei guter Sicht von oben einen Blick über Vaihingen bis in den Stuttgarter Talkessel erlauben. Scholz ist zuversichtlich, dass spätestens mit dem Ausbau der Autobahn auch diese Pläne vermarktet werden können.

So wie er auch davon überzeugt ist, dass man der aktuellen Wirtschaftskrise die Stirn bieten wird. Auch wenn der eine oder andere Interessent jetzt erst einmal in Wartestellung gegangen ist. Für Scholz gibt es keinen Anlass, die eingetretenen Pfade zu verlassen. Dazu gehört auch eine gewisse "Schleckigkeit", nicht jeden Nutzer um jeden Preis auf das Gelände zu lassen. Schließlich zählt das Flugfeld zu den Filetstücken zwischen den beiden Städten Böblingen und Sindelfingen, die über einen Zweckverband gemeinsam das Gewerbe- und Dienstleistungsquartier vermarkten.

Insgesamt sollen bis 2020 in vier Phasen insgesamt sechs neue Baugebiete entstehen, die eine Mischnutzung aus stadtnaher Produktion, Dienstleistung, Forschung, Bildung, Wohnen und Grünflächen bieten. Hauptziel sei dabei, zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen. Scholz sieht die im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik oder Telematik. Auf diese beiden Bereiche wolle man sich auch in Zukunft konzentrieren, wobei auch niemand weggeschickt werde, der ein Grundstück für die Medizintechnik suche. Allerdings versuche der Zweckverband schon, sich auf technologische Themen zu konzentrieren, damit man kein Gemischtwarenladen werde.

Erst kürzlich, erzählt Scholz, habe man einen Interessenten nicht berücksichtigen können. Der wollte neben einer Indoor-Golfanlage auch Spielautomaten aufstellen. "Das wird aber auf dem Flugfeld schon aus Imagegründen nicht akzeptiert." Der Geschäftsführer kann sich mit diesem Kurs der vollen Unterstützung der beiden Verbandsstädte Böblingen und Sindelfingen sicher sein, auch wenn die in letzter Zeit schwer gebeutelten städtischen Haushalte sich sicherlich über die eine oder andere Finanzspritze freuen würden. "Bis jetzt waren wir da aber sehr diszipliniert", freut sich Scholz und erklärt: Die beiden Städte sehen das Flugfeld als Investition in die Zukunft, die man sich auch nicht durch kurzfristige Zwänge verbauen wolle. Natürlich freut sich auch der Zweckverband über jeden vernünftigen und passenden Nutzer, der einen ordentlichen Grundstückspreis zahlt, gibt Olaf Scholz unumwunden zu. "Wenn Sie jetzt hier eine Nutzung hinstellen, die nicht zur Gesamtqualität des Geländes passt, werden Sie sie nie wieder los. Da leidet nachher unter Umständen die ganze Fläche darunter."

Das Flugfeld setzt weiter auf Qualität, auch wenn die Investoren aufgrund der Krise erst mal auf die "Bremse getreten haben"

Deshalb habe man schon vor fünf Jahren der Versuchung widerstanden, großflächigen Einzelhandel in Form eines Möbelhauses mit 40.000 Quadratmeter Geschossfläche auf dem Flugfeld anzusiedeln. Das wäre auch weder vom Regionalverband noch von den beiden Städten zum Schutz der beiden Innenstädte akzeptiert worden. Deshalb habe man sich auch selbst beschränkt und nur eine Quartierversorgung im Einzelhandelsbereich zugelassen. Dieser Selbstverpflichtung will sich der Zweckverband auch in den nächsten Jahren treu bleiben, auch wenn immer mal wieder verlockende Angebote an den Zweckverband herangetragen werden.

Natürlich macht die aktuelle Wirtschaftskrise auch vor dem Flugfeld keinen Halt. Es haben einige Investoren, wenn doch nicht alle, schon Ende letzten Jahres auf die Bremse getreten, erzählt Scholz. Konkret geht es um drei Verträge, die ursprünglich schon im November unterschrieben werden sollten. Für den Zweckverband bedeutet das nicht nur eine zeitliche Verschiebung der Entscheidung, sondern daraus resultierend auch eine spätere Kapitalisierung. Die dabei entstehenden Kosten könne der Zweckverband zwar verschmerzen, man schliefe aber deutlich ruhiger, wären die Kaufverträge schon beim Notar.

Scholz hat aber auch Verständnis für die Investoren: "Die meisten Investoren wollen jetzt erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, hätten aber weiterhin am Standort Interesse." Wann die Verträge letztendlich unterschrieben werden, weiß auch der Flugfeldmanager nicht. "Wer weiß, wie lange die Krise noch dauert." Trotzdem ist Olaf Scholz nicht bange. "Ein guter Standort bewährt sich auch in schlechten Zeiten." Vielleicht müsse man in den nächsten Monaten aber einfach auch ein bisschen mehr Geduld haben.

Die Standortfrage stellen auch immer wieder die großen Maklerunternehmen in Stuttgart. Sie bezweifeln, dass das Flugfeld die gleiche Anziehungskraft auf Unternehmen ausübt wie die Landeshauptstadt oder das künftige Stuttgart 21. Olaf Scholz ist sich dieser Thematik bewusst, sieht darin aber keine Probleme. "Unternehmen, die eine Stuttgarter Adresse brauchen, wird es immer nach Stuttgart ziehen. Die zahlen auch den doppelten Grundstückspreis oder noch mehr." Das Flugfeld hingegen sei für Unternehmen interessant, die eine schnelle Anbindung an die Autobahn und den Flughafen brauchen. "Von uns aus erreichen Sie manche Stellen in Stuttgart sogar schneller", wirft Scholz schmunzelnd ein. Hinzu kommt, dass das Flugfeld Flächen in einer Größenordnung anbieten könne, wie es sie in Stuttgart gar nicht mehr gebe. Diskussionen um die Namensgebung wie bei Stuttgart 21 hat es immer mal wieder auch um den Begriff "Flugfeld" gegeben. Für manche Werbestrategen ist der Begriff auch heute noch nicht griffig genug und einige Makler meinen gar, die Assoziationen mit Lärm und stinkendem Flugbenzin würden die Vermarktung nicht gerade einfacher machen. Der Zweckverband überlegt deshalb derzeit, den Namen um einen Slogan zu ergänzen. Im Gespräch ist unter anderem der Zusatz "Die Stadt der Zukunft."
 

StZ/StN

04.05.2009 - aktualisiert: 04.05.2009 11:48 Uhr

 



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