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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 07.05.2009

Star Trek

Das Raumschiff Enterprise in XXL

Wenn das Raumschiff Enterprise früher von Weltraumstürmen durchgeschüttelt oder Klingonen-Torpedos getroffen wurde, musste die wackelnde Hand des Kameramanns genügen, um für den Schein von Action zu sorgen. Kostüme und Ausstattung, fremde Planeten und Aliens - alles im "Star Trek"-Original wirkte billig. Das Universum war damals bloß ein Spielzeugland, und die unendlichen Weiten, von denen Captain James Tiberius Kirk in seinem Logbuch erzählte, ein leeres Versprechen.

Wenn jetzt ein Raumschiff beschossen wird, saust eine entfesselte Kamera durch eine überlebensgroße Zukunftsarchitekur, stürzen Besatzungsmitglieder in bodenlose Abgründe, die sich im Innern des Schiffs auftun, oder werden ins Alls geschleudert, das nie leerer wirkte. Und wenn eine Explosion, die Kommandobrücke erschüttert, glaubt man, die Welt geht unter. Die mit einer ordentlichen Portion Größenwahn aufgemotzte "Star Trek"-Version, die J. J. Abrams ins Kino bringt, hat mit dem niedlichen Kinderzimmer-Universum des Originals aus den 1960ern nichts gemeinsam - auch wenn sie vorgibt, die Vorgeschichte der Serie zu erzählen.

Am Anfang dieses Anfangs steht ein Krake von Raumschiff, der sich aus einem schwarzen Loch ins Weltall frisst. In ihm wütet Nero (Eric Bana), der nach Spock sucht, mit dem er eine Rechnung offen hat. Weil sich der Romulaner aber in der Sternenzeit vertan hat, ist Spock noch ein Baby, und Nero reagiert sich am erstbesten Flugobjekt ab, das ihm in die Finger kommt. Dies ist die U. S. S. Kelvin - und deren Zerstörung macht James T. Kirk, der im Moment seiner Geburt in einer Rettungskapsel in die Leere des Weltalls geschleudert wird, innerhalb von Sekunden zum Halbwaisen.

In dieser Actionsequenz, die den elften "Star Trek"-Streifen eröffnet, den die Produzenten selbstbewusst einfach nur "Star Trek" genannt haben, fährt Regisseur J. J. Abrams alles auf, was er hat, lädt spektakuläre Schauwerte mit melodramatischen auf. Dass er mit unübersichtlichen Ensembles umgehen kann, weiß man, seit Abrams mit der TV-Serie "Lost" das Mystery-Genre neu erfunden hat. Nun verknüpft er virtuos die Geschichten von Kirk (Chris Pine), der sich vom straffälligen Farmerjungen zum aufmüpfigenWeltraumkadetten hocharbeitet, und Spock (Zachary Quinto), der immer wieder mit seiner Logik an Grenzen stößt. Nach und nach wird auch der Rest der bekannten Enterprise-Crew eingefüht: die aufgesexte Uhura (Zoë Saldana) oder der schrullige Scotty (Simon Pegg) zum Beispiel. Und alle zusammen werden ihre erste Mission an Bord der Enterprise erleben.

Abrams setzt auf lakonische Dialoge, Situationskomik (hübsch etwa, als der Warp-Antrieb nicht geht, weil Sulu vergessen hat, die Handbremse zu lösen) und dramatische Wendungen - und gönnt dem Zuschauer nur ganz selten eine Atempause. Und weil er sich mit Seriendramaturgien auskennt, lässt Abrams in dem Film auch genug Leerstellen für zahllose weitere Abenteuer in diesem XXL-"Star Trek"-Universum.
 

Gunther Reinhardt

07.05.2009 - aktualisiert: 07.05.2009 14:50 Uhr

 


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