Nach der Fusion zahlt Porsche kaum noch Gewerbesteuer
Foto: dpa
Stuttgart - Die Arbeitnehmer von Porsche betrachten die Pläne, ihr Unternehmen mit VW zusammenzubringen, skeptisch. Betriebsratschef Uwe Hück fordert, die Rechte der Porsche-Belegschaft ebenso zu sichern, wie dies bei VW der Fall sei.
Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster rechnet bei einem Zusammengehen von VW und Porsche mit erheblichen Einbußen für den städtischen Haushalt. "Aller Voraussicht nach werden wir nach einer Fusion deutlich weniger Gewerbesteuer einnehmen", sagte Schuster, ohne konkrete Zahlen zu nennen. In informierten Kreisen wird mit einem Einbruch um 100 Millionen Euro gerechnet. Das wären rund 15 Prozent der jährlichen Gewerbesteuereinnahmen in der Landeshauptstadt. Ob die Kürzung bereits 2009 oder erst 2010 wirksam würde, ist noch unklar. "Im kommenden Jahr wird man sich entscheiden müssen, ob Kürzungen bei den städtischen Ausgaben nötig sind", heißt es im Rathaus.
Auch die Gemeinde Weissach, in der Porsche sein Entwicklungszentrum betreibt, geht von deutlichen Rückgängen bei der Gewerbesteuer aus. In diesem Jahr rechnet die Kommune noch mit einem Rekord von 185 Millionen Euro. Um auf mögliche Steuererstattungen an Porsche reagieren zu können, habe man einen Teil dieses Geldes "konservativ angelegt", sagt der Kämmerer.
Unterdessen forderte Betriebsratschef Uwe Hück auf einer Betriebsversammlung, das VW-Gesetz solle auch für die Porsche-Belegschaft gelten. Dieses Gesetz sichert den Mitarbeitern weitreichende Mitspracherechte bei der Entscheidung über Produktionsstandorte und verhindert unerwünschte Übernahmen. Mit seinen Äußerungen sorgte Hück für Verwirrung, denn rechtlich kann das VW-Gesetz für Porsche nur gelten, wenn Porsche durch VW übernommen wird. Deshalb trat Hück später Spekulationen entgegen, er habe sich von Porsche-Chef Wiedeking distanziert, und erklärte, er stehe sehr wohl hinter Wiedeking. Zugleich suchte Hück den Schulterschluss mit dem VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, mit dem er sich in der Vergangenheit vor Gericht über die Mitbestimmungsrechte gestritten hatte. Osterloh wiederum kündigte an, sich für Beschäftigung und Standorte bei VW einzusetzen. Aber auch die Rechte der 12500 Porsche-Mitarbeiter müssten in dem neuen Unternehmen gewahrt bleiben.
Michael Isenberg und Klaus Köster
08.05.2009 - aktualisiert: 08.05.2009 09:50 Uhr
Lesermeinungen
27.05.2009 10:12 Autor: Anne Knie
WW hat sich verschluckt, die Eigentümer, die Aktionäre, der Vorstand, der Betriebsrat, alle haben mitgemacht weil sie vom Kuchen mit profitieren wollten und jetzt da es keinen mehr gibt soll der Staat zahlen, das Land und die Stadt Stuttgart ziehen den Kürzeren.
Die Verursacher sollten persönlich haften müssen, wenn ein Arbeiter sich einen Schnitzer erlaubt wird er zurechtgestutzt oder sogar abgemahnt, schnell ist der Job heut zu Tage weg, aber bei den "Oberen" gilt dieses Prinzip nicht, es sind eben alle gleich, aber manche sind gleicher.
Zur Gewerbesteuer ein Wort: Gewerbesteuer sollte dort bezahlt werden wo gearbeitet wird, dort wohnen die Arbeiter, dort entstehen Kosten durch Lärm, Schmutz und für Infrastruktur.
09.05.2009 23:03 Autor: grunert
Pfui Teufel, was ist das für eine Gerechtigkeit :
VW und Porsche, zwei superfinanzkräftige Firmen-Giganten, sollen nach einer Fusion kaum noch, d.h. noch weniger Gewerbe-steuer als vorher zahlen - und jeder Kleinbetrieb mit zweieinhalb Mitarbeitern wird geschröpft bis zum Gehtnichtmehr ! Da soll doch´s Donnerwetter dreinschlagen
- das ist ein beinhartes Argument für uns alle, sich an der Politik zumindest als Wähler zu beteiligen: und nur solche Parteien zu wählen, die sich wirklich für Gerechtigkeit und für die kleinen Leute einsetzen (sowie für echten Umweltschutz, der Arbeitsplätze schafft). Bürger, aufgewacht ! Bald sind Wahlen !
08.05.2009 17:25 Autor: Matthias Schrader
Siggi Hanson schrieb:
"...der uns letztendlich alle nährt."
Wie soll denn das bitte funktionieren? S21 ist Infrastukturrückbau, Eisenbahnbehinderung, Verpätungsproduzent und Fahrgastfolter!
"Und eine Stadt wie Stuttgart kann diesbezüglich genauso wenig stehen bleiben, wie ein Mitarbeiter einer Firma sich dauerhaft jeder Weiterbildung verwehren kann."
Leider wehren sich die (meisten) Stuttgarter Politiker vehement gegen jede Weiterbildung bezüglich ihren Kenntnissen über die Eisenbahn. Deshalb müssen sie am 07.Juni von den Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern wohl leider abgewählt werden.
"Sich hier populistisch in die Hose zu machen..."
Wer ist hier populistisch und wer klärt die Menschen über die Zusammenhänge des Eisenbahnverkehrs auf? Diejenigen, die den am genialsten durchdachten und zweitpünktlichsten Großstadtbahnhof des deutschen Eisenbahnnetzes erhalten und weiter ausbauen möchten, oder diejenigen, die ihn aus blinder Zerstörungswut dem Erdboden gleichmachen möchten (und ein für den Suttgarter Anwendungsfall untaugliches Mini-Ding mit nur noch 8 Gleisen im Kellergeschoss als die bessere Alternative preisen)?
Wo Stuttgart sparen kann, ist daher leicht zu erkennen. Schließlich macht es irgendwie auch mehr Sinn, die Brachflächen rund um den Hauptbahnhof sofort zu bebauen, an statt sie 10-20 Jahre für die Baulogistik von S21 zu blockieren.
"Es kommt gerade jetzt auf Mut an, und darauf, Zeichen zu setzen - gegen die Krise!"
Genau! Und zwar sehr viel Mut!