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Tierversuche nehmen zu

Affen als Forschungsobjekte

Stuttgart - Ob Mäuse, Schweine, Fische oder Affen: Im Südwesten landen immer mehr Tiere in Versuchslabors. Sie dienen Forschern, die neue Erkenntnisse für die Medizin gewinnen wollen. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, heißt es beim Land. Alternativen sind rar.

Sie müssen sich Bilder von Artgenossen anschauen, verkehrt oder richtig herum, mit Geräuschen im Hintergrund, die mal passen und dann wieder fremd klingen. Dabei sind die Affen auf einem Stuhl festgezurrt, in ihrem Gehirn stecken Elektroden, mit denen die Hirnströme gemessen werden.

Es sind Versuche wie diese, die bei vielen Menschen für Empörung sorgen. Auch Ärzte, Tierschützer und Politiker laufen dagegen Sturm. Zu Unrecht, wie Nikos Logothetis vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen findet.

"Wir, Wissenschaftler und Mitarbeiter in der Hirnforschung, werden als liederliche Kriminelle hingestellt, deren reine Eitelkeit und nutzlose Neugier zu sinnloser Folter und dem Tod unschuldiger Tiere führt", sagt Logothetis.

Er und seine Kollegen wollen wissen, wie das menschliche Gehirn funktioniert, wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis ablaufen. Nur so könne man Menschen auch helfen, wenn sie an Fehlfunktionen litten, zum Beispiel an einer Psychose.

"Der medizinische Nutzen solcher Versuche für den Menschen ist äußerst gering", kritisiert hingegen die Grünen-Landtagsabgeordnete Renate Rastätter. Nicht umsonst seien Versuche an Affen in den vergangenen Jahren immer wieder verboten worden - von Behörden in München, Berlin und Bremen. Diese hätten ihre Ablehnung jedes Mal mit demselben Argument begründet: Das Leid der Affen wiege schwerer als der zu erwartende Nutzen.

Im Jahr 2007 wurden 52 Affen in Baden-Württemberg zu Versuchszwecken eingesetzt (neuere Zahlen liegen nicht vor). Das sind zwar 40 weniger als noch im Jahr 2005. Aber gegenüber dem Jahr 2006 ist die Zahl der Versuche um acht angestiegen. Doch Affen sind nicht die einzigen Tiere, die in Versuchslabors landen. Beliebt bei Wissenschaftlern sind auch Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen und Fische. Die Zahl aller Tierversuche im Südwesten ist in den vergangenen Jahren gewachsen: von 485.000 im Jahr 2005 auf 587.000 im Jahr 2007.

An Tieren geforscht wird in 53 Einrichtungen, die meisten davon sind Unternehmen wie zum Beispiel Boehringer Ingelheim in Biberach. Die Wissenschaftler testen dort unter anderem die Wirkungen von Arzneistoffen. In der offiziellen Mitarbeiterzeitung heißt es hingegen, die Mitarbeiter würden "in der Entwicklungsphase eines Arzneistoffs in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit wichtige Aussagen zu dessen biochemischer Umwandlung in Folgeprodukte erarbeiten". "Wer neue Medizin entwickeln will, kommt um Tierversuche nicht umhin", sagte ein Firmensprecher bereits Ende November gegenüber unserer Zeitung.

Wie es zu der steigenden Zahl von Tierversuchen kommen konnte? Im Landwirtschaftsministerium verweist man darauf, dass Unternehmen neuerdings die sogenannten Reach-Untersuchungen der EU erfüllen müssten, bei denen auch die Unschädlichkeit von bestimmten Substanzen nachgewiesen werden muss. Deshalb habe es auch mehr Tierversuche gegeben.

Fast im gleichen Atemzug betonen Regierungspolitiker jedoch, dass man Alternativen zum Tierversuch finden müsse. Dafür stünden 900.000 Euro zur Verfügung. An der Uni Konstanz ist zudem eine Stiftungsprofessur eingerichtet worden. Titel: "In-vitro-Methoden zum Tierversuchersatz".

Bei Affen wird man auf Versuche wohl nie komplett verzichten können - das betonte jetzt das Landwirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen. Vor allem im Hinblick "auf die Vergleichbarkeit von Versuchsergebnissen mit den Verhältnissen beim Menschen" seien Affen von "wesentlicher Bedeutung".
 

Hilmar Pfister

17.05.2009 - aktualisiert: 18.05.2009 10:56 Uhr

 



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