Medikamente zu Schnäppchenpreisen sind das Markenzeichen der Easy-Apotheken von Oliver Blume Foto: Firmenfoto
Stuttgart - Weiße Kittel sind verboten, Werbeplakate und Schlangestehen erwünscht: Oliver Blume wirft in seinen Easy-Apotheken vieles über Bord, was Pharmazeuten jahrezehntelang heilig war. Damit hat er bei den Kunden Erfolg - macht sich in der Branche aber keine Freunde.
Diesen Mann wirft so leicht nichts um. Blume ist ein Schwergewicht, nicht nur was sein Gewicht betrifft: "Dass wir nicht kaputtgegangen sind, ist ein Wunder", sagt der Gründer und Chef der Easy-Apotheken in Deutschland. Im Dezember 2006 hat er die erste Filiale eröffnet, seither haben ihn Konkurrenten mit Klagen überzogen, Großhändler verweigerten ihm ein halbes Jahr lang Medikamente.
Privat erhielt der dreifache Familienvater Morddrohungen und wurde von einem Privatdetektiv beschattet. "Der Einstieg war alles andere als easy", sagt Blume, wischt das Thema aber sofort beiseite. Denn im Vergleich zu diesen Zeiten hat sich Wesentliches verändert: Blumes Marke Easy kennt heute fast jeder Deutsche, die mittlerweile 39 Apotheken im Franchisestil arbeiten profitabel. "Jetzt kriegt uns keiner mehr kaputt", sagt Blume. Die Genugtuung spricht aus jeder Silbe.
Jahrelang hat er eingesteckt, jetzt teilt der Unternehmer aus. Die meisten Apotheker seien im Zeitalter von Tante-Emma-Läden stehengeblieben, wirft er der Branche mit bundesweit gut 21.000 Filialen vor. Er selbst fühlte sich dort stets unwohl und so ähnlich "wie in einem Männerfachgeschäft: Es kommt sofort jemand her, und den wird man dann nicht mehr los." Anders in der Easy-Filiale: Die ist allein bis zu zehnmal größer als die typische Apotheke und eingerichtet wie ein Supermarkt. Rein geht's durch ein Drehkreuz, in den dahinterliegenden Gängen wählen Kunden aus einem reichhaltigen Sortiment vom Shampoo über Vitaminpräparate bis zum rezeptfreien Medikament.
Was gefällt, landet wie beim Einkauf nach Feierabend in einem Korb, nur verschreibungspflichtige Arzneien müssen erfragt werden. Der Vorteil aus Sicht von Blume: "Der Kunde kann sich Zeit lassen, bekommt nicht sofort etwas aufgeschwatzt und muss sich nicht als unmündiger Bürger fühlen."
Der Erfolg scheint Blume recht zu geben, überall wo ein Easy-Markt öffnet, stehen die Kunden Schlange. Allerdings dürften sie weniger wegen des Wohlfühlfaktors und vielmehr wegen der günstigen Preise kommen. Nichtverschreibungspflichtige Medikamente verkauft Easy mit zehn bis 50 Prozent Rabatt, "Pillen-Aldi" nennt deshalb mancher die Apotheken.
Für Blume sind die Discountpreise verknüpft mit einem klaren Einkaufskonzept die Markenbotschaft schlechthin, leisten kann er sich die Rabatte unter anderem durch günstige Mieten und Automaten, die anstelle von Mitarbeitern Arzneipackungen in Regale sortieren. Die Aufgaben des Easy-Personals sind wie in einem Supermarkt streng geregelt: Die Kassiererin kassiert, der Apotheker berät. "Dadurch können sich unsere Mitarbeiter ganz auf die Kunden konzentrieren", sagt Blume.
Das sieht mancher Konkurrent anders. Weil Easy mit deutlich weniger Personal auskommt als in der Branche üblich, bleibe Beratung auf der Strecke, lautet ein häufiger Vorwurf. Zudem verleite der günstige Preis zum unkontrollierten Pillenschlucken. Darauf kontert Blume, er kenne "keinen, der zwei Aspirin schluckt, nur weil sie billiger sind".
Vor Beratungsfehlern und Gesetzesbrüchen wie etwa einer Missachtung der Rezeptpflicht sieht er Easy-Mitarbeiter besser gefeit als herkömmliche Pharmazeuten. Bereits im Kooperationsvertrag stimmen die Easy-Franchisenehmer zu, dass sie mit anonymen Testkäufen zur Qualitätskontrolle einverstanden sind, wer dreimal patzt, fliegt raus. Tatsächlich macht Easy allerdings 70 bis 80 Prozent seines Umsatzes mit nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten und freiverkäuflicher Ware - so viel setzt die traditionelle Apotheke mit Arzneien auf Rezept um.
Der Umsatzanteil rezeptpflichtiger Medikamente wachse, sagt Blume, seine Ziele auch: Zu den heute 39 Filialen soll jede Woche eine hinzukommen, 2010 peilt er gleich zwei Neueröffnungen binnen sieben Tagen an. Auch Gegenden mit vielen gutgehenden, alteingesessenen Apotheken schrecken den Unternehmer nicht. Obwohl sich bisher nicht einmal die Stuttgarter Celesio AG mit einer Doc-Morris-Franchisefiliale ins "Stuttgarter Haifischbecken" gewagt hat, steht die Landeshauptstadt in den nächsten Monaten auf dem Easy-Expansionsplan. "Wir sind ein Hai", sagt Blume dazu schlicht, zudem will er bald in Fellbach, Weil der Stadt, Kornwestheim und Reutlingen aufmachen. Lediglich Backnang hat in der Region Stuttgart bisher einen Standort. Blume: "Der läuft fantastisch."
Und wie ist heute das Verhältnis zur Konkurrenz? "Man begegnet uns mit gewissem Respekt. Sobald wir in die Nachbarschaft ziehen, hört die Liebe aber auf." Blume wäre nicht Blume, ließe er sich jetzt noch bremsen. Ein vergleichbares Discountkonzept verfolgt in Deutschland bisher nur die farma-plus GmbH, ohne weitere Konkurrenz "kann ich mein Konzept auf einer freien Autobahn ausfahren", schwärmt der Unternehmer. Ans Abbiegen denkt er gleichwohl: Das Konzept für Easy-Zahnärzte und Easy-Wellness liegt fertig in der Schublade.