Fellbach - Das aggressive Verkaufskonzept eines Sex-Clubs in Fellbach alarmiert schon vor der Eröffnung Behörden und Polizei. Die Betreiber werben mit einer Sex-Flaterate: "Alles für 70 Euro". Experten vermuten, dass Frauen aus Osteuropa den "unmenschlichen" Job verrichten sollen. Die Hintermänner des Geschäfts kommen wohl aus Bulgarien.
Der Pussy-Club im Fellbacher Industriegebiet eröffnet am 5.Juni. Doch die Werbung, die seit kurzem in der Boulevardpresse und im Internet erscheint, ist bereits eindeutig: "Sex-Flatrate", heißt es da in großen Buchstaben. Oder: "Alles für nur 70 Euro". Oder: "100 Frauen". Oder: "Du kannst sie alle haben".
Im Online-Auftritt des Clubs wird das Geschäft ausführlich erklärt: Der Kunde zahlt demnach 70 oder 100 Euro Eintritt und erwirbt dafür den Anspruch auf Sex in jeder Spielart und Häufigkeit. Für die Prostituierten müsste das im Umkehrschluss bedeuten, dass sie keinen Freier und keine Leistung ablehnen können.
Stadt Fellbach bleibt defensiv"Die Frauen sind bei dieser Flatrate komplett unfrei, sie werden entwürdigt", kritisiert ein Polizeibeamter. Prostituierte, die zu diesen Modalitäten arbeiteten, müssten wohl "innerlich tot und schmerzfrei" sein. "Die Flatrate ist unmenschlich", urteilt ein anderer Beamter.
Offen aussprechen dürfen die erfahrenen Beamten ihre Kritik nicht - zuständig wäre die Polizei erst bei Verdacht auf eine Straftat. Dementsprechend zurückhaltend fällt am Freitag die offizielle Lageeinschätzung aus: "Wir wissen über den Club Bescheid und werden ihn im Auge behalten", sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen.
Auch die Stadt Fellbach bleibt defensiv: "Wir sehen das Konzept skeptisch, können aber nach Lage der Dinge und der Gesetze zurzeit nichts unternehmen", sagt der stellvertretende Pressesprecher Frank Knopp. Nach Pfingsten erwarte man die Geschäftsleitung des Clubs allerdings im Rathaus, um kritische Fragen stellen zu können.
Neben Fellbach gibt es schon drei weitere Pussy-Clubs in Berlin, Wiesbaden und Heidelberg. Wer Näheres erfahren will, tut sich aber schwer: Anfragen dieser Zeitung bei der Firmenzentrale in Heidelberg oder in Fellbach bleiben ohne Antwort. Auch die Firma FKK-Club, die das Haus zuvor vier Jahre betrieben hat, äußert sich nicht.
"Das ist nackter, unerträglicher Kapitalismus"In der Branche redet man dafür umso mehr über die neue Konkurrenz: "Dahinter stehen Geschäftsleute mit Kontakten nach Bulgarien, die sich für viel Geld im Raum Stuttgart etablieren", erzählt ein Bordellbetreiber.
Die Hintermänner werben die Prostituierten angeblich in großen Gruppen vor allem in den Siedlungsbereichen der Roma in Bulgarien oder Rumänien an. Der Verdienst der Frauen soll bei 2000 Euro im Monat liegen. Andere Quellen nennen 500 Euro am Tag. "Dafür erniedrigen sich die Frauen unendlich - das ist nackter, unerträglicher Kapitalismus", sagt ein Insider.
Die Stuttgarter Polizei geht davon aus, dass die Sex-Flatrate bei der Kundschaft ankommt und darum bald in der Landeshauptstadt Nachahmer findet. "Wir halten das Konzept aber für bedenklich", warnt Wolfgang Homann vom Ermittlungsdienst Prostitution.
Rechtliche Fragen könnten sich beispielsweise aus dem Beschäftigungsverhältnis der Frauen ergeben. Gegen den Fellbacher Club und das Boulevard-Blatt werde man zudem wegen "unerlaubter Werbung für die Prostitution" vorgehen.