Stuttgart - An der Uni Stuttgart brodelt es. Wieder einmal. Es geht um die Zukunft der Geisteswissenschaften. Wieder einmal. Doch diesmal zeichnen sich für Historiker, Philologen, Lehramtsstudiengänge, möglicherweise auch für Teile der Betriebswirtschaftslehre schmerzhafte Einschnitte ab.
Offenbar stehen zwischen 24 und 27 Professuren überwiegend der Philosophisch-Historischen Fakultät 9 und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaflichen Fakultät 10 zur Disposition.
"Die Zahlen schwanken täglich", sagt Rektor Wolfram Ressel, der auf Anfrage aber die Größenordnung der diskutierten Professuren bestätigt. "Bestimmte Professuren und Institute werden, wenn sie frei werden, umgebildet", sagt der Rektor.
Man stehe in Verhandlungen, fast alle Fakultäten seien betroffen. "Allerdings nicht gleichmäßig." Als Ausnahmen von den geplanten Umstrukturierungen nennt Ressel lediglich die Fakultäten für Luft- und Raumfahrt und für Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik.
"Für die Studenten wäre das verheerend"Am heutigen Mittwochabend treffen sich die Fachschaften der besonders betroffenen Fakultäten 9 und 10 zur Krisensitzung, tags darauf will Rektor Ressel im Rahmen einer Pressekonferenz die Gründe und die möglichen Auswirkungen dieser Pläne erläutern. "Wir wollen die Universität durch profilbildende Maßnahmen neu ausrichten", sagt Ressel bereits vorab.
Im Rahmen eines von "von mir vorgeschlagenen Masterplans soll die Universität fit gemacht werden für eine neue Exzellenzinitiative". Damit wolle die "technik- und forschungsorientierte Universität Stuttgart ihr Profil nochmals klar schärfen". Gleichzeitig legt der Rektor Wert auf die Feststellung, dass es sich bisher lediglich um Vorschläge handele, die noch diskutiert und ausgehandelt werden müssten.
Statt eines schärferen Profils sehen viele Studenten indes die Gefahr eines Kahlschlags, der klar zulasten der ohnehin in den vergangenen Jahren bereits bedrängten Geisteswissenschaften geht. "Für die Studenten dieser Fächer wäre das verheerend", sagt ein Fachschaftsvertreter der Fakultät 9.
Nach Gesprächen mit dem zuständigen Studiendekan zeichnet sich ab, dass die meisten Lehramtsstudiengänge wegfallen sollen, von der Pädagogik bleibt wohl nur die Hälfte. Auf der Kippe stehen auch große Teile der Philologie und der Geschichtswissenschaften. Ausnahme seien hierbei nur die Neue Deutsche Literatur, die Germanistische Linguistik, die Neuere Geschichte und die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik.
Indirekt wird dies auch von Ressel bestätigt. "Wir wollen die Geschichtswissenschaften im Sinne einer Wissenskultur neu aufstellen", sagt der Rektor. Ausdrücklich nennt er in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Neueren Geschichte und der Technikgeschichte. Die Befürchtung, dass in Stuttgart die Geisteswissenschaften jetzt zerschlagen werden, teilt Ressel nicht. "Es bleibt kein Schutthaufen zurück."