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Der Mythos Märklin

Geheime Märklin-Schätze im Turmzimmer

Foto: Märklin

Göppingen - Die ältesten Märklin-Spielzeuge sind etwa 150 Jahre alt. Ihr Wert ist schwer zu schätzen, bilden sie doch den Mythos der Göppinger Firma. Um die Schätze des insolventen Unternehmens vor dem Verkauf zu schützen, will die Stadt jetzt eine Stiftung gründen.

Die 1859 gegründete Spielwarenfabrik gehört zu den ältesten Herstellern der Sparte. Nach ihrer Pleite stehen mit dem Verkauf auch die ersten Märklin-Modelleisenbahnen, raffinierte Puppenstuben, anspruchsvolle Metabo-Baukästen und Spielzeug-Autos aus der Gründerzeit auf dem Spiel.

Vor sechs Jahren stellte das Unternehmen im Märklin-Museum die begehrten Sammler-Stücke noch aus, doch bei einem Einbruch stahlen Diebe einige der wertvollen Antiquitäten. Seither sind die Märklin-Schätze im sogenannten Turmzimmer eingeschlossen - und dort gelten strenge Sicherheitsvorkerhungen. Die Objekte des Turmzimmers dokumentieren die lange Geschichte des Unternehmens", erklärt Gabriele Wunnenberg, Sprecherin der Ulmer Insolvenzverwaltung von Michael Pluta.

Details über die Kostbarkeiten werden geheim gehalten. Es gibt weder eine Inventarliste noch eine Archivübersicht. Kein Journalist hat das Zimmer je betreten. Nur wenige Eingeweihte wissen überhaupt, wo es sich befindet.

Die Stadtverwaltung und der Insolvenzverwalter Michael Pluta wollen den "Mythos" erhalten, "egal wie es mit dem Unternehmen finanziell weitergeht", sagt Stadtsprecherin, Jutta Neumann. Oberbürgermeister Guido Till will deshalb eine Stiftung mit einem Kapital von sieben bis zehn Millionen Euro gründen. So viel, schätzen Experten, sind die Märklin-Objekte im Turmzimmer wert.

Diese Summe könne ein einzelner Sponsor nicht aufbringen - eine Stiftung aber durchaus, ist der Rathauschef überzeugt. "Sollte die Summe höher sein, sehe ich das als schwierig an", erklärte Till. Gespräche mit der Kreissparkasse Göppingen, dem Land und Vertretern der Wirtschaft seien zwar bereits im Gange, aber noch ganz am Anfang. Wenn die Stiftung das Kriterium der Gemeinnützigkeit erfüllt, wäre das Projekt auch von Steuern befreit.

Ob unter dem bisherigen Märklin-Investor Kingsbridge bereits Modellbahnen, Puppenstuben oder andere Einzelstücke aus dem Turmzimmer verkauft wurden, ist nicht bekannt. Für OB Till haben die Antiquitäten auch einen historischen Wert für den Kreis Göppingen. Bei einem Verkauf würde ein Stück "lokal-traditionelle Spielzeugkultur" verlorgen gehen.

Doch selbst wenn die Märklin-Stücke in Göppingen bleiben, sind weitere Investitionen nötig. "Allein die Archivierung wäre ein hoher Kostenpunkt, weil weitere Sicherheitvorkehrungen erforderlich wären", erklärt Gabriele Wunnenberg von der Insolvenzverwaltung. Wie auch bei Ausstellungen Dieser Schritt hat die Firma bislang gescheut - auch weil erst kürzlich Stücke im Wert von 30000 Euro gestohlen wurden: Ein Pärchen aus Nürnberg und ein bereits gekündigter Märklin-Mitarbeiter hatten einige wertvolle Prototypen von Eisenbahnen im Internet verkauft.

Ein Kaufinteressent mit Herzblut für Märklin, wie er OB Guido Till vorschwebt, würde die Originale im Turmzimmer nicht verschachern, sondern "für den Kreis Göppingen und sein Kulturgut erhalten".
 

Daniela Reichart

03.06.2009 - aktualisiert: 03.06.2009 19:25 Uhr

 



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