Suche nach Kinofilmen
 
 



Kino-Termine

Dieser Film läuft in folgenden Kinos

 

 

Vorschau ]

zurück


Drucken Versenden
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.06.2009

Terminator - Die Erlösung

Wann ist ein Mann ein Mann?

"Was macht uns eigentlich zu Menschen?", fragt John Connor in einer dieser Reden, die man seit der St.-Crispians-Ansprache aus Shakespeares "Heinrich V." in kriegerischen Geschichten immer wieder am Vorabend einer Vernichtungsschlacht zu hören bekommt. "Unser Herz und unsere Menschlichkeit unterscheiden uns von den Maschinen", wird der Guerillakämpfer seinen Soldaten zurufen, wird an ihren Humanismus appellieren, bevor er sich ins Gemetzel stürzt. In diesem letzten Gefecht geht es nicht wie bei Shakespeare gegen die Franzosen, auch nicht gegen die Nazis, sondern gegen das totalitäre Regime der Maschinen, das einen Vernichtungskrieg gegen die Menschheit führt.

"Terminator 4 - Die Erlösung" ist mehr Kriegsfilm als Science-Fiction. Zwischen dem Blitzen und Grollen der einschlagenden Geschosse, zwischen durch Matsch kriechenden Körpern, Holocaust-Assoziationen und militärischem Strategiespielen tut sich die Virtuosität, mit der die Zeitreise-Thematik in den ersten "Terminator"-Filmen inszeniert wurde, schwer. Die nahezu farblosen postapokalyptischen Schlachtfeld-Szenarien, die Regisseur McG ("Drei Engel für Charlie") inszeniert, begnügen sich damit, die Eröffnungssequenz aus James Camerons "Terminator" (1984) zu erweitern.

Bisher erzählten die "Terminator"-Filme aus einer unserer Welt nicht unähnlichen Gegenwart und von einer düsteren Vorahnung: In der Zukunft werden die Maschinen ein Bewusstsein entwickeln und einen Krieg gegen die Menschen beginnen, und nur ein gewisser John Connor kann das Überleben der Menschheit ermöglichen.

Deshalb musste mal die Mutter John Connors, mal er sich selbst als Teenager vor durch die Zeit reisenden Killermaschinen, den Terminatoren, beschützen. Doch die dunklen Ahnungen, um die es bisher in der "Terminator"-Reihe ging, sind im Jahr 2018, in dem der vierte Teil spielt, längst Wirklichkeit geworden.

Eine zwischen "Mad Max" und "Matrix" angesiedelte technologische Erlöserstory

In Ruinenstädten, in der Wildnis, in verdreckten Bunkern geraten immer wieder bärtige Männer aufeinander, die sich selbst beweisen müssen. Zu diesen zählen auch John Connor (Christian Bale) und Marcus Wright (Sam Worthington). Der eine leidet unter dem Druck, dass er um die Prophezeiungen weiß, die ihn als Anführer der Menschheit darstellen. Der andere weiß nicht einmal, in welchem Jahr er sich befindet, verfügt aber über übermenschliche Kräfte. Später wird sich herausstellen, dass er teils Mensch, teils Maschine ist und dass es manchmal nicht leicht ist, zu erkennen, wann ein Mann ein Mann ist.

Vor dem Hintergrund, dass in dieser zwischen "Mad Max" und "Matrix" angesiedelten technologischen Erlöserstory immer wieder Hymnen auf die Menschlichkeit angestimmt werden, kann der Film verblüffend wenig mit Menschen anfangen. Selbst die Hauptfiguren bleiben vage. Zudem fällt es McG schwer, für die Geschichte prägnante Bilder zu finden, und auch seine Versuche, mit dem Stoff ironisch umzugehen, wirken gezwungen: etwa wenn Christian Bale den Satz "I'll be back!", der Arnold Schwarzenegger als Terminator berühmt gemacht hat, vor seinem Kriegseinsatz zitiert.

Auch Arnold Schwarzeneggers Mini-Gastspiel in einer Terminatorenfabrik wird verschenkt. Die Schwarzenegger-Version von 1984 stapft bei ihrem am Computer entstandenen Comeback - wie eigentlich der ganze Film - nur unbeholfen-unmenschlich durch Science-Fiction-Requisiten.
 

Gunther Reinhardt

04.06.2009 - aktualisiert: 04.06.2009 10:58 Uhr

 


Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise