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"Will anständiges Leben führen"

Drogenhändler stellt sich nach vier Jahren

Stuttgart - "Ich möchte nur noch ein anständiges Leben führen", sagt der Angeklagte vor dem Landgericht. Auf sein anständiges Leben in Freiheit muss der in Heilbronn geborene Türke allerdings noch warten.

Das Gericht hat ihn wegen des Handels mit fast 80 Kilo Marihuana zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Vor vier Jahren hatte sich der Verpackungsmechaniker aus dem Staub gemacht, nachdem sein Schulfreund und Geschäftspartner sowie sein Hauptkunde aufgeflogen waren. Mit dem Schulfreund hatte der Angeklagte einen schwunghaften Handel mit Marihuana aufgezogen. Zwischen Februar und Mitte Dezember 2004 verkauften die Männer knapp 40 Kilo der berauschenden "Rauchware" an einen Mann mit ungarischem Namen. Dafür hatten sie einen abschließbaren Stellplatz in einer Tiefgarage in Möhringen gemietet.

In dieser Garage stellte die Polizei 34 Kilo Marihuana sicher, mehrere Kilo waren schon verkauft. Der Schulfreund wurde festgenommen, der Hauptabnehmer ebenfalls. Der 29-Jährige ging stiften - nach Antalya, wo er sich als Masseur und Mitarbeiter eines Call-Centers durchschlug. "Ich war in der Türkei sozusagen gefangen", sagt der Mann. Nach Rücksprache mit seiner Familie, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, habe er den Entschluss gefasst, einen Schlussstrich zu ziehen. Er nahm Kontakt zum Stuttgarter Anwalt Stefan Holoch auf, der der Staatsanwaltschaft die Rückkehr seines Mandanten avisierte. Am 18. Januar dieses Jahres ließ sich der 29-Jährige schließlich am Stuttgarter Flughafen festnehmen.

Aufgeflogen waren die Drogengeschäfte durch den Brief eines Häftlings. Der Mann hatte den 29-Jährigen verpfiffen, um sich Hafterleichterungen zu verschaffen. In der Folge wurden der Schulfreund des jetzt Angeklagten zu fünf Jahren und drei Monaten sowie der Hauptabnehmer zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Verteidiger Holoch beantragt ein Urteil knapp unter drei Jahren. Schließlich habe sich sein bisher unbescholtener Mandant freiwillig gestellt. Dessen Zeit in Antalya dürfe man sich nicht als lustiges Leben unter Palmen vorstellen. "Er musste sich versteckt halten." Auch sei Marihuana die weichste aller illegalen Drogen. Tabak und Alkohol seien mindestens so gefährlich. "Wenn man sich überlegt, wie viele Menschen sich pro Jahr das Hirn weich- und die Leber harttrinken ...", so Holoch. Die Richter folgen jedoch dem Antrag des Staatsanwalts: drei Jahre und sechs Monate.
 

George Stavrakis

07.06.2009 - aktualisiert: 07.06.2009 18:36 Uhr

 



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