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Höhenflug der Ökopartei

Grüne wittern für Özdemir Direktmandat

Foto: dpa

Stuttgart - Auf der politischen Landkarte ist Stuttgart nach den Wahlen am Sonntag tief grün eingefärbt. Das macht auch die Bundestagswahl im September noch spannender.

"Jetzt muss unser Bundesvorsitzender Cem Özdemir in seinem Terminkalender noch weitere freie Stellen suchen", sagte Werner Wölfle, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, am späten Sonntag, an dem den Grünen einer Prognose zufolge möglicherweise die Vorrangstellung im Stuttgarter Rathaus zugefallen ist.

Cem Özdemir, der Bundesvorsitzende der Grünen, ist Bundestagskandidat im Wahlkreis Stuttgart-Süd. In manchen dicht besiedelten Stadtbezirken, die zu diesem Wahlkreis gehören, sind die Grünen bei der Europawahl die absolute Nummer 1 der Parteien geworden. In der Stadtmitte erreichten sie 34,8 Prozent, in Stuttgart-West 34, im Stuttgarter Süden 32,1.

Özdemir tritt zur Bundestagswahl ohne Absicherung auf einer Liste an. Im Lichte der jüngsten Wahlerfolge der Grünen erscheint der Gewinn des Direktmandats für die Grünen aber nicht ausgeschlossen. Nach dem Wahlsonntag glauben sie es schon zu wittern.

Der Gewinn des Direktmandats wäre kaum eine Frage, bestünde der ganze Bundestagswahlkreis aus Bezirken wie den innerstädtischen Grünen-Hochburgen. Das Problem für die Ökopartei sind einige Stadtbezirke auf den Fildern, in denen die Grünen am Sonntag weniger gut abgeschnitten haben. Dennoch ist zumindest ein Kopf-an-Kopf-Rennen nicht ausgeschlossen.

Das zeigt ein Rechenexempel, bei dem man annimmt, dass die Grünen im September in den Stadtbezirken des Wahlkreises Stuttgart-Süd gleichermaßen punkten wie am Sonntag bei der Europawahl . Und wenn man weiter annimmt, dass auch die CDU mit ihrem Kandidaten Stefan Kaufmann bei gleicher Wahlbeteiligung wieder so abschnitte, zeichnet sich ein interessantes Bild ab. Der Rechtsanwalt Kaufmann wäre dann gerade noch mit 0,7 Prozentpunkten in Führung. Bei Prognosen und Hochrechnungen der Meinungsforscher ist das eine zu vernachlässigende Größe.

Dass die Gefahr groß ist, wenn auch die FDP noch stark ist, dürfte Kaufmann klar erkannt haben, als er am Sonntag im Rathaus die Präsentation der Wahlergebnisse miterlebte und bevor er am Montag nach Tunesien reiste. Nein, nicht um Wahlkampf zu machen, sondern um noch einmal Kraft für den restlichen Wahlkampf zu tanken.

Bisher sei die SPD die Hauptrivalin in seinem Wahlkreis gewesen, sagt er auf Anfrage, jetzt seien Cem Özdemir und die Grünen allerdings gleich stark einzuschätzen. Aber im Herbst werde es keinen "nachgezogenen Bürgerentscheid über das Bahnprojekt Stuttgart 21" mehr geben und FDP-Wähler könnten taktisch wählen und für die CDU stimmen, tröstet er sich. Außerdem: Özdemir wolle ja gar nicht von Berlin-Kreuzberg nach Stuttgart umsiedeln. Die Menschen würden bemerken, wer Stuttgarter Interessen vertreten wolle, zeigt sich Kaufmann überzeugt.

Der Grünen-Vorsitzende indessen erklärt auf Anfrage, der tolle Erfolg der Parteifreunde in Stuttgart sei für ihn eine starke Ermutigung bei der Bundestagswahl. "Aber reinhängen wollte ich mich sowieso", beteuert er. Als Bundesvorsitzender habe er im Wahlkampf allerdings auch "bundespolitische Aufgaben".

Vielleicht muss Wölfle, der Erfolgsgarant der Stuttgarter Grünen, also doch noch mal mit Özdemir über die Termine in Stuttgart reden. Obgleich der "Schwabe aus Anatolien" beteuert, dass er sehr stolz wäre, Stuttgart in Berlin zu vertreten.
 

Josef Schunder

09.06.2009 - aktualisiert: 09.06.2009 10:02 Uhr

 



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