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Zukunft von Fraktionschef Kanzleiter offen

SPD plagen nach Debakel Personalsorgen

Stuttgart - Die bei der Gemeinderatswahl gebeutelten Sozialdemokraten haben am Montagabend bei einer erweiterten Kreisvorstandssitzung ihre Wunden geleckt und Ruhe als erste Bürgerpflicht ausgerufen. Im neuen Gemeinderat werden sie nach dem Zwischenergebnis von Montag bestenfalls mit elf statt 14 Sitzen vertreten sein. Ihr Anteil liegt voraussichtlich bei unter 20 Prozent. Damit ist ein neuer historischer Tiefststand seit 1946 erreicht. Die SPD ist in Schockstarre.

Erst heute um 16.30 Uhr wissen die Genossen, wer im Rat wird Platz nehmen können. Zittern muss selbst Kreischef Andreas Reißig. Sein Revier ist die noch stärker ergrünte Innenstadt. Reißig, Sprecher der Landes-SPD, warnte am Montag vor einer Personaldebatte und verbreitete Stereotypen. Das Ergebnis müsse "sachorientiert" aufgearbeitet werden, der Kampf sei engagiert geführt worden.

Engagiert, aber offenbar mit den falschen Themen. Die Debatte um den Rückkauf des Wasser-Leitungsnetzes von der EnBW habe "null Auswirkungen" gezeitigt, bekannte Reißig. Der von den Grünen angeführten Debatte um den tiefergelegten Hauptbahnhof konnten die Sozialdemokraten nichts entgegensetzen.

"Wir als Jusos waren gegen Stuttgart 21, aber wir haben diesen Wahlkampf nicht gefahren", sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende Igor Gilitschenski. "Und wir haben nicht damit gerechnet, dass der Bahnhof diese Bedeutung erhält." Auch Gilitschenski will eine Personaldebatte vermeiden.

"Ich gönne den Grünen den Erfolg, auch wenn mich das Abschneiden der SPD bedrückt", sagt Peter Conradi. Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete verkörpert bei den Genossen in vorderster Front den Widerstand gegen Stuttgart21. Mit ihrem "sturen Ja" zum Tiefbahnhof habe sich die Partei "ins Abseits begeben".

Conradi schöpft aus dem Wahlausgang Hoffnung. Allerdings weniger für die SPD als für das Ende des Großprojekts. "Es wird an den Kosten scheitern", sagt er. Für die SPD sieht er weiteres Ungemach voraus. "Nach der Bundestagswahl dürfte es auf allen Ebenen sehr lebhaft werden", prognostiziert er.

Conradis Nachfolgerin Ute Kumpf will das Tal mit der SPD baldmöglichst verlasen. "Der Zustand ist nicht mitleiderregend, das machen wir im Herbst bei der Bundestagswahl wett", spricht sie sich Mut zu. An Werner Wölfle, den Grünen-Fraktionssprecher im Gemeinderat, sendet sie den Aufruf, die Zusammenarbeit mit der SPD nicht von "persönlicher Sympathie" abhängig zu machen. Der Appell hat seinen Grund. Wölfle und SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter sind sich seit Jahren in herzlicher Abneigung zugetan. Kanzleiter nannte den Grünen schon mal "Oberklugscheißer", Wölfle blafft neuerdings crescendo "Besserwisser" zurück.

Ob er weiter und wie lange Kanzleiter die Fraktion führt, ist unklar. Der 64-Jährige hätte den Stab vermutlich zur Mitte der Wahlperiode weitergereicht. City-Manager Hans H. Pfeifer (60) wurde am Montag als Nachfolger genannt, dementierte aber: "Ich gebe nicht den Königsmörder, ich weiß ja nicht mal, ob ich gewählt bin." Kanzleiter selbst sortiert sich. "Ich werde jetzt keine Aussagen machen", lässt er wissen. "Ich bin nicht abschließend entschieden."
 

Konstantin Schwarz

09.06.2009 - aktualisiert: 09.06.2009 10:59 Uhr

 



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