Wasser, Vögel, Sonnenschein: Eine Bootsfahrt durch den Karlsruher Zoo macht nicht nur Kindern Spaß. Foto: Foto-Donecker
Sie sind eindeutig in der Überzahl. Und sie sind schnell. Wie eine gut ausgebildete militärische Einheit kommen sie überfallartig in geschlossener Formation herangejagt, öffnen diese dann plötzlich, nehmen ihr Zielobjekt in die Mitte und schließen sich hinten wieder zusammen. Fertig, das Boot ist umzingelt, ein Entkommen nicht mehr möglich.
Der in einer solchen Situation zu erwartende Ausruf "Klar zum Entern" bleibt allerdings aus. Denn bei den Freibeutern handelt es sich zum Glück nur um eine Schar neugieriger Pelikane, das Boot wiederum ist eine der sogenannten Gondolettas, mit denen man auf einem Kanal quer durch den Karlsruher Zoo schippern kann – eine Unternehmung, die sich durchaus lohnt.
Denn wer sich auf eine Tour mit den kleinen überdachten Gondeln begibt, bekommt während der 40-minütigen Fahrt einen guten Eindruck von der entspannten Atmosphäre, die den Karlsruher Zoo auszeichnet. Leise plätschert das Wasser gegen den Bug des Boots, das wie von Geisterhand gezogen auf den unter der Oberfläche liegenden Schienen dahingleitet. Am linken Ufer watschelt eine Entenfamilie über die dichte grüne Wiese, ein paar Meter weiter bilden die Zweige der an den Ufern stehenden Bäume ein schützendes Dach, und hinter der nächsten Biegung dösen einige Elefanten in der Mittagssonne. Aus der Ferne ertönt der gellende Schrei eines Pfaus. Ein Hauch von Exotik weht durch die Blätter der Bäume, kurz, ganz kurz nur wähnt man sich weit weg auf großer Abenteuerfahrt, doch dann tauchen bereits der Stadtgartensee und die Anlegestelle für die Gondeln auf und holen den Tagträumer zurück in die badische Wirklichkeit.
Mit einer Fläche von 22 Hektar gehört der Karlsruher Zoo nicht zu den größten Zoos Deutschlands, wohl aber zu den ältesten: 1865von Mitgliedern des badischen Vereins für Geflügelzucht gegründet, entwickelte sich der mitten im Stadtzentrum gelegene "Thiergarten" im Laufe der Zeit zu einer Anlage, die dem Besucher die erholsame Weitläufigkeit eines Parks bietet: Gepflegte Rasenflächen werden von Blumenbeeten eingegrenzt, unter Bäumen laden Sitzecken zum Verweilen ein, es locken Gartenanlagen mit insgesamt 15000 Rosen in 130 Sorten. "Wir gehn in den Stadtgarten", sagt der echte Karlsruher deshalb, wenn er in den Zoo will. Und hat dabei nicht immer allein die Tiergehege als Ziel seines Besuchs im Sinn.
Doch die gibt es natürlich auch: Über 800 Tiere aus allen Teilen der Welt sind in Karlsruhe zu Hause. Das ist im Vergleich zu manchem Konkurrenten nicht allzu viel, doch mit Elefanten und Erdmännchen, Giraffen und Löwen, Schimpansen, Seelöwen und Pinguinen wird dem Besucher all das geboten, was er von einem Zoo erwartet. Liebe zum Detail ist auch hier zu erkennen: Neben den üblichen erklärenden Schildern gibt es viele Zusatzinformationen sowie Bilder, Grafiken und Rätsel für Kinder.
Dass der Platz für die Tiere nicht immer mit der Großzügigkeit des Parks mithalten kann, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass manche Gehege schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben und nicht unbedingt den neuesten Standards entsprechen. Doch auch hier wird seit geraumer Zeit vieles getan. So zählt etwa das im Jahr 2000 fertiggestellte Eisbärengehege laut Angaben des Zoos zu den modernsten Europas, und auch die neue Anlage für Pinguine, Seehunde und Seelöwen steht kurz vor ihrer Eröffnung. "Wir haben lange Zeit nicht genügend Mittel von der Stadt bekommen", erklärt der stellvertretende Direktor des Zoos, Clemens Becker, doch das habe sich mittlerweile geändert.