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CDU nur zweimal über 30-Prozent

Die Grünen dominieren die Innenstadt

Foto: Franziska Kraufmann

Stuttgart - Die Stadtmitte ist fest in Hand der Ökoparteien, in den Neckarvororten zeigen die Freien Wähler Flagge, im Norden hält die SPD ihr Fähnchen hoch. Bei der Gemeinderatswahl haben die Wähler in den Bezirken unterschiedliche Prioritäten gesetzt - und die politischen Machtverhältnisse durcheinander gewirbelt. Die politische Stadtkarte ist neu eingefärbt: 34 Jahre lang dominierte die CDU das Stuttgarter Stadtparlament. In den nächsten fünf Jahren ist die Bürgervertretung ausgeglichener besetzt denn je.

Zählt man die Werte der Grünen (37,1 Prozent) und des Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS/7,5) zusammen, kommen die beiden ökologisch orientierten Gruppierungen in der Stadtmitte gemeinsam auf 44,6 Prozent und degradieren die bürgerlichen Listen fast zur Bedeutungslosigkeit. Stadtweit erreichten die Grünen 25,3 Prozent und wurden erstmals stärkste Kraft im Rathaus. Im Süden (33,5) haben sie ihre Führungsrolle deutlich ausgebaut, ebenso wie im Westen (35,8), wo die beiden Fraktionschefs Muhterem Aras und Werner Wölfle Zuhause sind. Auch in Degerloch, im Norden und Osten haben sie die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Lediglich in Mühlhausen bekommen sie keinen Fuß auf den Boden, müssen sich mit 13,9 Prozent begnügen.

Bemerkenswert: In allen Bezirken, in denen die Grünen das Rennen für sich entschieden haben, ist auch die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2004 gestiegen. Insgesamt gingen mit 48,7 Prozent genauso viele Wahlberechtigte an die Urnen, wie vor fünf Jahren.

Um überhaupt noch Hochburgen der Christdemokraten ausmachen zu können, muss die Messlatte im Vergleich zu 2004 deutlich tiefer - bei 30 Prozent - gehängt werden. Nur in Mühlhausen (30,9 Prozent) und in Sillenbuch (30,8) erreichte die CDU diese Marke noch und musste sich insgesamt mit 24,3 Prozent begnügen. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren schaffte die Union noch in 19 der 23 Stadtbezirke ein Ergebnis über 30 Prozent. In Untertürkheim, Plieningen und im Norden musste sie zweistellige Verluste einstecken. Den schlechtesten Wert verbuchte die CDU im Westen (19,4).

Wenngleich die Freien Wähler mit ihrem Gesamtergebnis von 10,3 Prozent nicht zufrieden sind, durften sie doch einen besonderen Triumph feiern: In Hedelfingen (26,9) und in Obertürkheim (24,4) avancierten die Parteilosen zur stärksten Kraft, was auch darin begründet sein dürfte, dass fünf Bewerber auf der 60-köpfigen Liste in Obertürkheim zu Hause sind, allen voran der Wengerter Konrad Zaiß. Ähnlich verhält es sich mit Weilimdorf, wo neben Fraktionschef Jürgen Zeeb und dem sozialpolitischen Sprecher Christoph Gulde noch sechs weitere Kandidaten wohnen. Hier schafften die Freien Wähler mit 18,6 Prozent ihr drittbestes Ergebnis. Keine Lobby hat die Wählervereinigung in den Innenstadtbezirken, wo sie kaum über sieben Prozent hinaus kam.

Das Gefühl, stärkste Partei in einem Stadtbezirk zu sein, ist der SPD schon vor längerer Zeit abhanden gekommen. Lediglich ihren treuen Stammwählern im Norden haben es die Sozialdemokraten zu verdanken, dass insgesamt nicht noch unter die 17,0 Prozent gerutscht sind. Ihre besten Ergebnisse erzielten die Genossen in Münster (25,2 Prozent) und Mühlhausen (23,2).

Hochburgen der Liberalen sind Birkach (16,2) und Botnang (15,0). Auch sonst konnte die FDP stadtweit zulegen, schaffte in 15 von 23 Bezirken ein zweistelliges Ergebnis und kam insgesamt auf 10,9 Prozent.

Die SÖS schnitt in Mitte (7,5), Vaihingen (7,3) und im Osten (7,1) überdurchschnittlich gut ab. Die Linke erzielte Spitzenresultate in Bad Cannstatt und Münster (je 5,9). Letztgenannter Bezirk (5,1) ist wie Mühlhausen (5,0) auch Hochburg der Republikaner.
 

Steffen Rometsch

10.06.2009 - aktualisiert: 10.06.2009 17:40 Uhr

 



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