Stuttgart - Noch immer sind Notärzte in Stuttgart offenbar nicht schnell genug. Der Mindeststandard wird weiterhin nicht erreicht. Trotz Nachbesserungen muss das System von Juli an erneut aufgestockt werden. Dann sind insgesamt vier 24-Stunden-Notarztteams im Einsatz.
Mit Spannung ist am Mittwoch das externe Gutachten über die Notfallrettung in Stuttgart erwartet worden. Schließlich steckt der Rettungsdienst seit Anfang vergangenen Jahres in den Negativschlagzeilen, weil er langsamer als gesetzlich erlaubt im Einsatz war. Allerdings kamen auch gutachterliche Untersuchungen nicht viel schneller voran - für Herbst 2008 erhofft, für April 2009 angekündigt, im Juni dem Bereichsausschuss vorgelegt: Am Mittwoch berieten Vertreter der Krankenkassen und Rettungsdienstorganisationen über die Konsequenzen.
Ergebnis: Die mehrfachen Nachbesserungen für Rettungsdienst und Notärzte haben sich bewährt - doch im Notarztsystem bedarf es noch einer weiteren Kraftspritze. Konkret: Das Notarztteam, das seit Januar dieses Jahres von der Kupferstraße in Vaihingen aus täglich zwölf Stunden ausrückt, wird vom Testprojekt zur Regeleinrichtung. Und nicht nur das: Statt zwölf sollen es sogar 24 Stunden sein - bis zur Realisierung einer zenralen Filderwache. Und das kann Jahre dauern. Insgesamt sind dann vier Notärzte im Einsatz. Vor November 2007 waren es rechnerisch zweieinhalb.
95 Prozent ist die gesetzlich wichtige Marke in Baden-Württemberg: Damit darf der Rettungsdienst nur in fünf Prozent der Fälle später als 15 Minuten am Zielort eintreffen. Ein Mindeststandard, der 2007 von den Notärzten verfehlt wurde - mit nur 90,1 Prozent. 382 Notarztfahrten waren langsamer als erlaubt beim Notfallpatienten eingetroffen.
Eine zusätzliche Notarztbesatzung konnte das Problem 2008 nicht entscheidend verbessern: Die Quote kletterte auch nur auf 92 Prozent. Nachdem der als Rechtsaufsicht der Stadt zuständige Ordnungsbürgermeister Martin Schairer den Verantwortlichen der Notfallrettung ein Ultimatum gestellt hatte, gab es eine Nachbesserung der Nachbesserung. Ein Zwölf-Stunden-Notarztteam, das nicht an einem Krankenhaus auf Einsätze warten sollte, sondern an einem verkehrsgünstigen Standort auf den Fildern. Gewählt wurde die Dienststelle der Johanniter in Vaihingen.
Die Freude, dass im Mai dadurch die gesetzlichen Hilfsfristen erstmals wieder eingehalten wurden, kam allerdings etwas zu früh. Anfang Juni betrug dieser Wert etwas über 94 Prozent. Mal drüber, mal drunter, egal: "Letzendlich konnte die gesetzliche Vorgabe nicht eingehalten werden", stellt der Stuttgarter Rotkreuz-Geschäftsführer Frieder Frischling fest. Nun also vier Notärzte - und wo die am besten stationiert sind, soll jetzt ermittelt werden.
Bei den Rettungswagen ist Stuttgart laut Gutachten aber längst wieder im grünen Bereich. Die Aufstockung auf fünf 24-Stunden-Besatzungen bleibt - damit ist man in 97 Prozent der Fälle pünktlich im Sinne des Gesetzes.
"Die Verantwortlichen haben dankenswert große Anstrengungen unternommen", sagt Bürgermeister Schairer, "damit müsste eine dauerhafte Verbesserung möglich sein." Gleichwohl müsse das Land Baden-Württemberg aber die strengeren Vorgaben anderer Bundesländer anstreben: "Man sollte im Blick behalten, dass sich die Notfallrettung mehr an die Zehn-Minuten-Frist heranarbeiten müsste." Experten fordern dies seit Jahren - bisher vergebens.