
Stuttgart - Einen Rechner zu haben, ohne einen Rechner zu besitzen - das klingt toll. Die schwedische Firma Xcerion stellt ihren Kunden mit dem Angebot Icloud kostenlos einen virtuellen Computer zur Verfügung. Eine echte Alternative zum Notebook ist es allerdings nicht.
Mit Icloud soll es möglich sein, Texte zu verarbeiten, Fotos zu speichern, Excel-Tabellen zu erstellen, Kalender zu führen, E-Mails zu empfangen und abzurufen - eben all das zu tun, was man normalerweise am heimischen PC macht. Besonders im Hinblick auf die anstehenden Sommerferien erscheint dies als äußerst praktisch. So könnte der Laptop einfach daheim bleiben, man müsste nur den Username und das Passwort für Icloud mit in den Urlaub nehmen - und hätte trotzdem weltweit Zugriff auf seine persönlichen Daten.
Cloud Computing nennt man das, wenn man ganz unabhängig von eigener Hardware übers Internet Zugriff auf Speicherkapazitäten, Rechenleistung und Software hat - und somit metaphorisch gesprochen auf einer Wolke arbeitet. Diese Möglichkeit gilt seit einiger Zeit vor allem im Ausland als verlockende Möglichkeit. Unternehmen können dadurch IT-Kapazitäten ins Netz auslagern, wodurch sie weniger Geld investieren müssen und sich der Geschäftslage schneller anpassen können.
Icloud will Cloud Computing nun auch für Privatpersonen attraktiv machen. Klingt ganz wunderbar. Aber um es gleich zu sagen: Es ist bisher zumindest kein adäquater Notebook-Ersatz, schon allein deshalb nicht, weil man für den Zugang auch einen Internet-Anschluss braucht.
Das Angebot stellt mit den Techniken des vielgepriesenen Web 2.0 eine Desktopoberfläche eines Computers im Browser dar. Aber letztlich ist es eben nur eine Webseite, auch wenn nach dem Erstellen des Accounts das Einrichten und Starten eines echten Computers simuliert wird. Dies allerdings nur, wenn man den Internet Explorer als Browser benutzt; verwendet man andere Browser, erhält man die lapidare Meldung, dass das nicht funktioniert. Mit Firefox kann man zwar immerhin weiter klicken, wird aber mit einem Browser-Absturz belohnt. Konkret heißt das: Erwischt man im Urlaub ein Internet-Café mit Macs, steht man doch wieder ohne seine Dateien da.
Hat man sich trotz dieser Schwierigkeiten einen Account angelegt und sich eingeloggt, strahlt der simulierte Desktop ziemlich grell aus dem Explorer. Man wird gleich eingeladen, sich einen anderen - grellbunten - Hintergrund zu wählen, in MSN, also dem Netzwerk von Microsoft, zu chatten, das E-Mail-Programm zu öffnen, Einstellungen zu treffen oder auch etwas hochzuladen. Die angebotenen Programme sind dagegen recht einfach gehalten. So ist die zur Textverarbeitung gedachte Applikation "Write" von der Funktionsfülle eines echten Word-Programms weit entfernt. Dennoch dauert es trotz eines schnellen Rechners und schneller Internetverbindung lange, bis die Programme starten. Man fühlt sich an Computer vor der Jahrtausendwende erinnert, außer dass alles viel bunter ist.
Tatsächlich nutzen will man Icloud wohl eher nicht. Es ist einfach nicht so komfortabel wie das eigene Notebook. Und wenn man Office-Programme und Dokumente von vielen verschiedenen Computern aus verwenden möchte, gibt es unter anderem mit Google auch andere Dienste, die diese Programme im Internet kostenlos anbieten - und besser.