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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 25.06.2009

Transformers - Die Rache

Männer und ihre Spielzeuge

"Was ihr jetzt sehen werdet, ist streng geheim", sagt ein nicht mehr ganz junger Typ, der sich Jetfire nennt. Und bevor er runter in den Keller steigt, fügt er noch hinzu: "Erzählt das bloß nicht meiner Mama!" Willkommen auf dem Abenteuerspielplatz für Jungs, der sich hinter Michael Bays Actionspektakel "Transformers - Die Rache" verbirgt und auf dem ein enthemmtes Fest der Pubertät veranstaltet wird.

Der Star dieses Films ist nicht etwa Shia LaBeouf, den Steven Spielberg als den neuen Tom Cruise aufbauen will und der den College-Neuling Sam Witwicky spielt, der in dem zweiten "Transformers"-Streifen erneut dafür sorgen muss, dass die Erde bei einem Alienkrieg nicht zerstört wird. Star des Films ist nicht John Turturro, der sich in der Rolle des durchgeknallten Jetfire als einziger wirklicher Schauspieler in das Spektakel verirrt hat. Der Star des Films ist auch nicht wirklich die außerirdische Roboterrasse, die sich aus Mittelklasseautos oder Trucks in Kampfmaschinen verwandeln kann und der der Film den Titel "Transformers" verdankt. Nein, der Star dieses Streifens ist in Wahrheit Megan Fox. Die weitgehend talentfreie Darstellerin ist wie schon im ersten "Transformers"-Film für den Sex verantwortlich - beziehungsweise für das Versprechen desselben - und steht damit am Anfang und Ende dieses männlichen Wunscherfüllungstraums.

Megan Fox wurde 2008 vom Männermagazin "FHM" zur "Sexiest Woman of the World" gekürt, 2009 landete sie hinter Cheryl Cole, aber vor Jessica Alba auf Platz zwei. Sie wird allen Dementis zum Trotz als Angelina Jolies Nachfolgerin in "Tomb Raider" und als Titelheldin in "Wonder Woman" gehandelt. Um Frauen wie Megan Fox geht es in Jungsfantasien eigentlich immer. Und kein Filmemacher bringt solche Fantasien so ungefiltert auf die Leinwand wie Michael Bay. Dass er sein Regiedebüt 1990 mit einem "Playboy"-Video gab, ist kein Zufall: Bay (44) inszeniert in seinen Filmen auch weiterhin ungeniert den männlichen Blick. Wenn er nicht gerade irgendetwas spektakulär in die Luft jagt, hochgetunte Maschinen über die Leinwand sausen lässt und in zahllosen Variationen vorführt, dass es doch auf die Größe ankommt, lässt er die Kamera mit lüsternem Blick Frauenkörper abtasten.

In Krach-Bumm-Spektakeln wie "Bad Boys", "The Rock" oder "Armageddon" oder "Transformers" ging es immer um eine ritualisierte Zurschaustellung eines reaktionären Verständnisses von Männlichkeit. Und in den "Transformer"-Blockbustern hat Michael Bay es nun geschafft, Gentlemen's Club und Spielzeugparadies miteinander zu kombinieren.

Dass sein Hauptdarsteller Shia LaBeouf auch in Teil zwei, der heute ins Kino kommt, ein Jüngling ohne Eigenschaften bleibt, hat nichts mit schlechtem Casting zu tun, sondern erleichtert es dem Zuschauer, sich selbst als der Held dieser Männerfantasie zu sehen.

"Transformers - Die Rache" beginnt damit, dass sich Sam (LaBeouf) auf den Weg ins College macht, während sich seine Freundin Mikaela (Fox) für die Kamera auf einem Motorrad räkelt. Am College angekommen, wird Sam erst von Mitstudentinnen angesext und dann von den Alienrobotern, die schon in Teil eins auf seine Hilfe angewiesen waren, darum gebeten, mit ihnen die Welt zu retten.

Solche Allmachtsfantasien sind sonst eigentlich Kinderzimmerspielen vorbehalten. Und entsprechend infantil und schematisch wird die Filmstory umgesetzt. Während Bay in der ersten Stunde eine überdrehte Actionkomödie inszeniert, in der er sich am liebsten selbst zitiert (zum Beispiel in Form des "Bad Boys"-Posters in Sams Zimmer), verwandelt er die zweite Stunde in einen Kriegsfilm, bei dem er zwischen Atlantik und Ägypten Flugzeugträger und Riesenroboter explodieren lässt.

Und natürlich ist es Megan Fox, die schließlich die Wahrheit über diesen Film aussprechen darf: "War das alles wirklich nötig, bloß um mir zu sagen, dass du mich liebst?", wird sie flüstern, als die Materialschlacht qualmend zu Ende geht.
 

Gunther Reinhardt

25.06.2009 - aktualisiert: 25.06.2009 11:41 Uhr

 


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