Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 25.06.2009
Die Gräfin
Sadomaso bei Hofe
Sie diente als Inspiration für so manche Horrorgeschichte, die ungarische Gräfin Erzebet Bathory, eine der mächtigsten Frauen des 17. Jahrhunderts. Schon von Kindesbeinen an wird ihr beigebracht, skrupellos und ohne Gefühle zu handeln. Nach dem Tod ihres Mannes verliebt sie sich in den wesentlich jüngeren Istvan. Dessen Vater Graf Thurzo hat jedoch andere Pläne für ihn und unterbindet die Beziehung. Im Glauben, dass es allein ihr Alter sei, das Istvan von ihr fernhält, verfällt Erzebet dem Wahn, dass das Blut von Jungfrauen sie jünger werden ließe - ein beginnt ein grausiges Morden.
Mit ihrem neuen Film beweist Julie Delpy (40) erneut ihr Multitalent: Die Französin zeichnet nicht nur für das Drehbuch, die anspruchsvolle orchestrale Filmmusik und die Regie verantwortlich, sondern ist auch noch in der Hauptrolle der grausamen Gräfin zu sehen. Deren Neigung zu perversen und sadistischen Spielen, die leidenschaftliche Beziehung zu ihrem jungen Geliebten oder das Abdriften in den blutigen Wahnsinn - alle Facetten spiegeln sich perfekt in Delpys Gesicht wider. Auch Sebastian Blomberg als zwielichtiger Intrigant, mit dem Erzebet eine sadomasochistische Beziehung pflegt, weiß seine Rolle auszufüllen. Enttäuschend sind dagegen sowohl William Hurt (als Istvans Vater weit unter Potenzial besetzt) als auch Daniel Brühl (mehr Babyface als jugendlicher Liebhaber) in Nebenrollen.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist das zweigeteilte Drehbuch, das anfangs wie eine Jane-Austen-Verfilmung anmutet, sich dann aber zu einer blutrünstigen Geschichte entwickelt, die durchaus ihre Schockmomente besitzt. Gräfin Bathory schlägt in diesem Jahr übrigens noch einmal im Kino zu: Auf dem Fantasy-Filmfest vom 2. bis zum 9. September wird "Bathory" gezeigt, die Version des Slowaken Juraj Jakubisko, die vermutlich noch etwas härter ausfallen dürfte.
Wolfram Hannemann
25.06.2009 - aktualisiert: 25.06.2009 12:38 Uhr