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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 25.06.2009

Schattenwelt

Unterkühlt ins Leere gespielt

Ein RAF-Mitglied wird nach 22 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und trifft auf Valerie, die Tochter eines Mannes, der damals durch die Terroristen ums Leben kam. Die junge Frau will wissen, wer geschossen hat, und sie will Vergeltung. "Schattenwelt" möchte sich mit den Opfern der RAF auseinandersetzen - doch das Drehbuch, an dem das frühere RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock mitschrieb, steckt voller Klischees: Valerie hat das Sorgerecht für ihren Sohn verloren, nachdem sie ihn verprügelt hat, der traumatisierte Sohn des Terroristen quält sich durch eine homosexuelle Beziehung. Alle Figuren sind so unterkühlt in Szene gesetzt, dass dem Zuschauer keine Identifikationsmöglichkeiten bleiben.

Die Darsteller geben den Figuren keine Konturen, sondern spielen bedeutungsschwanger ins Leere. Ulrich Noethen überzeugt als Ex-Terrorist ebenso wenig wie Eva Mattes als dessen frühere Lebensgefährtin. Farbreduzierte Bilder geben dem Film darüber hinaus eine ermüdende Künstlichkeit - im Kino hat diese Produktion nichts verloren. Nach dem spektakulär inszenierten Blockbuster ("Der Baader-Meinhof-Komplex") nun also der missglückte Versuch einer künstlerischen Inszenierung - dem Thema RAF bleibt wahrlich nichts erspart.
 

Wolfram Hannemann

25.06.2009 - aktualisiert: 26.06.2009 13:51 Uhr

 


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