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Neuer Landespolizeipräsident

"Alkoholverbot auf Plätzen ist Versuch wert"

Innenminister Heribert Rech (re.) gratuliert dem neuen Landespolizeipräsidenten Wolf-Dietrich Hammann
Foto: dpa

Stuttgart - Die 25.000 Beamten und Beschäftigten der Polizei im Land haben einen neuen Chef im Innenministerium. Der neue Landespolizeipräsident Wolf-Dietrich Hammann (54) äußert sich im Interview mit unserer Zeitung zu Jugend und Alkohol, zum Ansehen der Polizei und zu seinem Führungsstil.

Herr Hammann, Sie sind als Jurist und
Verwaltungsfachmann eher in Umweltfragen zu Hause, - ist es da nicht schwer, einen
ausgeprägt hierarchischen Polizeiapparat
zu führen?


Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Ich halte es in allen Funktionen für richtig, dass der Leiter nicht unbedingt von der Pike auf aus der Einheit hochgekommen ist. Führen ist mehr, als nur Obersachbearbeiter zu sein. Ich habe einen Stellvertreter, der aus dem Vollzug kommt, ich kenne mich in Verwaltung und Politik aus.

Sie waren 15 Monate lang Referent bei der
Tübinger Landespolizeidirektion. Welche
Erfahrungen nehmen Sie von dort mit?


Bei der Polizei funktioniert alles sehr effektiv. Und hier hilft die Hierarchie. Das muss auch so sein: Bei kritischen Einsätzen müssen Befehlsstränge funktionieren, wenn eine Entscheidung getroffen worden ist. Naturwissenschaftler würden da lieber noch weiterdiskutieren.

Und doch scheinen Sie im Vergleich zum strengen Vorgänger Erwin Hetger einen
anderen Führungsstil pflegen zu wollen...


Ich bin für alles offen, Transparenz ist für mich ganz wichtig. Nicht nur nach unten, auch von unten nach oben - ich mag keine zwischengeschalteten Filter. Dazu möchte ich möglichst viel draußen sein: Die Mitarbeiter am Ort wissen am besten, wie man Probleme löst. Ich habe noch nie eine geschlossene Bürotür gehabt. Ich werde mich da auch bei der Polizei nicht umstellen.

Da werden Sie sicherlich reichlich Klagen hören: über eine zu hohe Einsatzbelastung, über abgebaute Personalreserven, über
ausgereizte Budgets.


Ich muss mir die Situation bei der Polizei erst einmal anhören. Natürlich gibt es überall Zwänge. Aber dazu kann ich jetzt noch nichts sagen, ich bitte um Verständnis.

Viele Beamte warten auf ihre neuen Schutzhelme und Schutzwesten als Mannausstattung, die sie bei Amoklagen brauchen.

Also, die Sicherheit der Mitarbeiter hat absoluten Vorrang. Wo es da klemmen soll, kann ich jetzt natürlich nicht sagen. Eine Anschaffung muss ja genau geprüft werden. Aber an so etwas wird sicher nicht gespart.

Gespart wird an Stellen und Personal. Können Sie da auf die Politik Einfluss nehmen?

Ich kann als Landespolizeipräsident nur Berater sein. Aber die Politik trifft letztlich die Entscheidung, und die Exekutive muss hier dienen. Ich bin nicht in der Rolle eines Politikers, ich bin Berater des Ministers.

Aber die Stimme eines Landespolizeipräsidenten gilt doch auch etwas?

Verwaltung hat natürlich etwas mit Politik zu tun. Aber sie muss unabhängig bleiben und loyal gegenüber dem Dienstherrn sein. Ich gehöre übrigens keiner Partei an.

Trotzdem haben Sie eine Meinung. Über
welche Themen macht sich der neue Landespolizeipräsident da so seine Gedanken?


Das Thema Jugend und Alkohol berührt mich sehr. Im Regierungsbezirk Tübingen, überall wo Sie da hinkommen, ist das ein Thema. Die zunehmende Jugendgewalt ist ein ständiges Thema bei den Bürgermeistern. Wir müssen da was tun.

Zum Beispiel?

In Ravensburg gilt seit Anfang Juni ein nächtliches Aufenthalts- und Alkoholverbot auf mehreren öffentlichen Plätzen. Das ist natürlich nicht unumstritten.

Und wie stehen Sie dazu?

Ich denke, es ist eine mögliche Form der Prävention, die man für eine gewisse Zeit mal ausprobieren sollte. Natürlich nimmt man auf der einen Seite allen Jugendlichen ihre Treffpunkte weg. Aber vielleicht ist ein begleitendes Verbot eben doch richtig. Im Herbst soll das Ergebnis überprüft werden.

Die Frage ist auch, wie das durchgesetzt wird. In Stuttgart schwindet der Respekt vor der Polizei. Die beklagt zunehmend Übergriffe.

Dass die Polizei weniger respektiert wird, bedrückt mich sehr. Wir müssen die Identität der Polizei stärken, die sich wirklich nicht zu beschimpfen lassen braucht. Überhaupt steht doch der Mensch im Mittelpunkt. Den Gedanken, dass zwischen Polizei und Gesellschaft ein freundschaftliches Verhältnis bestehen sollte, halte ich für richtig. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit und Leistung der Polizei.

Was wollen Sie für die Polizei Baden-Württemberg erreichen?

Sie soll ihre Spitzenstellung unter den Bundesländern halten. Und wo möglich, soll der eine oder andere Standard auch verbessert werden.

Sind Sie eigentlich schon mal von der freundschaftlichen Polizei bei einer Ordnungswidrigkeit erwischt worden?

Nein. Ich glaube, ich bin nicht mal geblitzt worden. Als begeisterter Motorradfahrer weiß ich, dass man im Sinne der Unfallprävention zurückhaltend fahren soll, und beherzige das auch.

Sie haben also eine blütenweiße Weste?

Also, wenn Sie mich so fragen - ich bin mit dem Motorrad durchaus schon mal verbotenerweise auf land- und forstwirtschaftlichen Wegen unterwegs gewesen. Aber das wird jetzt nicht wieder vorkommen.
 

Wolf-Dieter Obst

30.06.2009 - aktualisiert: 30.06.2009 18:42 Uhr

 



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