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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 02.07.2009

Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los

Ein Wiesel bietet den Sauriern die Stirn

Wenn zwei unterschiedlichen Geschlechts sind und sich zanken, balgen und schlagen, dann ahnen erfahrene Kino-Romantiker: Sie werden einander lieben lernen. Mit Zähnen und Klauen verteidigt das Ur-Eichhörnchen mit den Säbelzähnen sein geliebtes Nüsschen gegen die verführerisch mit den Augenlidern klappernde Artgenossin, die ihrerseits weibliche Reize und allerlei wüste Tricks einsetzt, ihm die rare Nahrung abzuluchsen.

Die amüsanten Nager-Einlagen sorgen auch im dritten Teil von "Ice Age" für die Lacher, die eigentliche Handlung aber beginnt mit einem Kinderwunsch. Mammut Manni und seine geliebte Ellie sind schwanger, Säbelzahntiger Diego zieht es fort, und das tollpatschige Faultier Sid bleibt alleine übrig - bis es durchs Eis bricht und in einer Höhle drei Eier findet, aus denen reizende kleine Saurier mit großen Gebissen schlüpfen, die den Säugetierkindern Beine machen.

Um Familienbande dreht sich dieser Film, und die Macher drücken auf die Tränendrüse: So übertrieben viel nervöser als ihre Frauen sind werdende Väter nur in Hollywood, und wenn alle losziehen, das verschleppte Faultier aus der unterirdischen Saurierwelt zu retten, wirkt die plötzliche Entschlossenheit aufgesetzt.

Zum Glück durchbricht der schmerzfreie Sid - und mit ihm sein grandioser Synchronsprecher Otto Waalkes - die Rührseligkeit, ebenso wie das Wiesel Buck, das als einziges Säugetier den Sauriern die Stirn bietet und eine Privatfehde mit Rudy pflegt, dem sehr ungemütlichen Tyrannosaurus Rex. Buck weist den Rettern den Weg durch eine fantastisch animierte Urwelt wie durch Ebenen eines Videospiels, in dem die Protagonisten sich mal aus fleischfressenden Pflanzen befreien, mal eine Flugechse auf waghalsigem Ritt ans Ziel steuern und mal gefräßige Raptoren abwehren.

Buck hat im Kampf mit Rudy nicht ein Bein verloren wie Kapitän Ahab in "Moby Dick", sondern ein Auge, und er ist besessen, aber nicht bärbeißig, sondern ein anarchistischer Tierfreund - Erwachsene kommen im Subtext auf ihre Kosten. Dass die Reptile nicht sprechen können, markiert einen wichtigen Unterschied: Wo die einen schon Konfliktlösung durch Worte versuchen, beißen sich die anderen noch die Köpfe ab.

Das Eichhörnchen rückt derweil Möbel in der gemeinsamen Baumhöhle und träumt von den Zeiten, als es auf der ewigen Jagd nach der Nuss ständig schwer verunglückte. So ist die Liebe.
 

Bernd Haasis

02.07.2009 - aktualisiert: 02.07.2009 10:25 Uhr

 


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