Stuttgart - Die traditionalistische katholische Piusbruderschaft mit Sitz in Stuttgart hat ihren Protest gegen Lesben- und Schwulen-Paraden mit dem katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus verglichen. Im aktuellen Mitteilungsblatt der Bruderschaft wird unter der Überschrift "Der Untergang des Abendlandes" zu Protestaktionen gegen die für den 1. August geplante Parade zum Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart aufgerufen. "Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: ,Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!‘ Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!" Außerdem heißt es: "Wir wollen nicht, dass unsere Heimat ein zweites Sodom und Gomorrha wird." Die CSD-Parade wird als "perverse Veranstaltung" zur "Propagierung der sodomistischen Unzucht" bezeichnet.
Die Veranstalter des Christopher Street Day haben inzwischen Strafanzeige gegen den Autor des Textes, der nur mit einem Kürzel zeichnet, und die Piusbruderschaft gestellt. "Schwule und Lesben werden in dem Text mit den Nazis gleichgesetzt, das erfüllt der Tatbestand der Volksverhetzung", sagt CSD-Vorstand Christoph Michl. "Angesichts der Tatsache, dass Schwule von den Nazis verfolgt wurden, ist das eine Ungeheuerlichkeit." Michel fordert, dass sich die katholische Amtskirche umgehend von dem "Pamphlet der Piusbrüder" distanziert.
Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei dem Autor des strittigen Textes um Pater Andreas Steiner, den Sprecher des Priorats, der wegen eines "Einkehrtags" am Donnerstag nicht zu erreichen war.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart geht inzwischen auf Distanz zum Text der Bruderschaft. Der Vergleich mit der Nazizeit sei "vollkommen verfehlt", betont Bistumssprecher Thomas Broch. Der Zentralrat der Juden fordert eine Reaktion des Vatikans.
Klaus Eichmüller
02.07.2009 - aktualisiert: 03.07.2009 10:24 Uhr
Lesermeinungen
16.07.2009 15:56
Autor: Hans-Dieter Straup
Mann/Frau, also man kann und darf sie nicht ernst nehmen, diese ewig Gestrigen in einer immer noch nicht grad heutigen Kirche (aber das ist ein anderes Thema).
Als bekennender Katholik fordere ich dazu auf, dass sich die Kirche endlich wieder von diesen Un-Brüdern distanziert; es ist mir zuwider, mit ihnen unter einem Dach sein zu müssen.
Das heißt nicht, ihnen christliches Verzeihen vorzuenthalten bzw. anzubieten
H-D. Straup!
Schwul, katholisch und in der SPD.
Stellvertr. Landesvorstand der Schwusos.
Ich werde insofern und als bekennender Katholik am CSD in Stuttgart teilnehmen.
10.07.2009 08:16
Autor: Michael
Zum einen Predigen die Piusbrüder, Gott liebt jeden, doch wer anders ist oder einen anderen Glauben hat, kann schnell zum Sündenbock gemacht werden. Gerade Hitler, dem man homosexuelle Neigungen nachsagte, war auch der größte Feind Homosexueller. Wer die Geschichte von 1933 - 1945 auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass man auch den Homosexuellen nach dem Leben trachtete. Nun, wer mit einem Finger auf andere deutet, zeigt mit drei Fingern auf sich. Wenn Piusbrüder solche Kommentare abgeben, sollte sie sich nicht als Christ bezeichnen und von Nächstenliebe reden. Zudem nehmen sie gerne die Kirchensteuer homosexueller Menschen an, denn Gold -Verzeihung- Geld stinkt nicht.
09.07.2009 12:40
Autor: Sabine
Viele Kommentare hier sind ja genauso schlimm wie die bösartige Hetze der sog. Piusbrüder. Ich finde auch, man sollte sie einfach ignorieren. Und diejenigen, die sich durch den CSD beleidigt fühlen, sollten diesen auch einfach ignorieren. Keiner wird gezwungen hinzugehen und zuzuschauen. Nach maximaler 1 Stunde ist der fröhliche Umzug an einem vorbeigezogen und Ihr habt wieder Ruhe für ein ganzes Jahr