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Unwetter mit zwei Toten

Aufräumen nach dem Sturm

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Foto: Rosar

Stuttgart - Nach dem schweren Unwetter mit zwei Toten in der Region Stuttgart haben am Samstag die Aufräumarbeiten begonnen. Die Höhe des entstandenen Schadens lasse sich nicht beziffern, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Stuttgart. In einigen Regionen werde die Beseitigung der Schäden Tage dauern.

Durch Blitzeinschläge habe es landesweit mehrere Brände gegeben. Straßen wurden überflutet, Keller und Tiefgaragen unter Wasser gesetzt. Zudem gab es zahlreiche Erdrutsche. Bei dem Unwetter am Freitagnachmittag waren zwei Menschen ums Leben gekommen. Der Autohersteller Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen musste die Produktion einstellen.

Eine Frau starb nach einem Blitzeinschlag in Affalterbach (Kreis Ludwigsburg), wie die Polizei Ludwigsburg am frühen Samstagmorgen mitteilte. Die 46-Jährige habe in der Nähe eines Hundezwingers gestanden, als neben dem Zwinger ein Blitz einen Baum traf. In Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) erlitt ein Feuerwehrmann einen tödlichen Stromschlag. Der 33-Jährige war dabei, Wasser aus einem Keller zu abzupumpen. Ein Arbeiter in Ludwigsburg wurde zudem am Arm verletzt, als ein Blitz in einen Baukran einschlug.

Das Gewitter schlägt diesmal nicht punktuell zu. "Zum ersten Mal ist das ein ganzes Niederschlagsband, das große Teile des Landes überzogen hat", sagt Meteorologe Kai Jellinghaus. Stuttgart ist am Freitag bis zum frühen Abend keine Ausnahme: "Die Starkregenzone hat das gesamte Stadtgebiet erwischt", sagt Jellinghaus, "den Nordwesten Stuttgarts hat es dabei besonders getroffen." Jellinghaus blickt auf das Radarbild: Bis zu 60 Liter pro Quadratmeter - da ist schnell "Land unter".


Der Nordwesten Stuttgarts sowie der südliche Teil des Landkreises Ludwigsburg - hier schüttet es besonders. Auf der Autobahn 81 nahe der Anschlussstelle Zuffenhausen steht das Wasser zeitweise zehn Zentimeter hoch. Der Tunnel der Bundesstraße27a zwischen Stammheim und Kornwestheim muss gesperrt werden. Bei Porsche herrscht meteorologisch "Land unter". In der Strohgäu- und Unterländerstraße in Zuffenhausen schießen Wassermassen aus überlasteten Kanälen, Gullydeckel werden angehoben. Der Porscheplatz wird gesperrt, ebenso der Wiener Platz in Feuerbach.

Auch die Filder waren ein Schwerpunkt. In der Pfeilstraße in Vaihingen schlägt ein Blitz in ein Hausdach ein, Unterführungen stehen unter Wasser. In der Hochschule der Medien in Büsnau dringen Wassermassen ins Gebäude ein. Es gibt etliche Unfälle mit Blechschäden. Der Feierabendverkehr auf den Haupt- und Nebenstraßen kommt zum Erliegen, weil zahlreiche Ampelanlagen ausgefallen sind.

Etwa 300 Notrufe gehen bei der Leitstelle der Stuttgarter Feuerwehr ein. „Unter den Einsätzen sind auch mehrere kleinere Brände durch Blitzeinschläge“, sagt Feuerwehrsprecher Sebastian Fischer. Obwohl die Kräfte mit Helfern der freiwilligen Feuerwehr aufgestockt werden, müssen Schwerpunkte gesetzt werden. Akute Einsatzstellen zuerst. Viele Hausbesitzer, deren Keller unter Wasser stehen, müssen sich „etwas gedulden“, so Fischer. Alle Pumpen und Wassersauger sind im Einsatz, Technisches Hilfswerk und Tiefbauamt helfen aus.

Die Ludwigsburger Feuerwehr registriert etwa 200 Einsätze: „In 20 Jahren habe ich noch nie so viele Notrufe erlebt“, sagt ein Mitarbeiter der Leitstelle, die von einem auf sieben Mann aufgestockt wird. Von den Wassermassen besonders betroffen sind Firmen in Korntal und Ditzingen. „In einem Autohaus in Korntal stehen die Fahrzeuge komplett unter Wasser“, heißt es. Bei der Firma Trumpf läuft das Wasser in eine Werkshalle. In Remseck und Ditzingen schlagen Blitze ein, die Wehrmänner müssen Dachstuhlbrände löschen.

Böblingens neuer Kreisbrandmeister Guido Plischek ist trotz allem die Ruhe in Person. Die Feuerwehren sind im gesamten Landkreis im Dauereinsatz. In den ersten anderthalb Stunden kommen 140 Einsätze zusammen, der Schwerpunkt ist Leonberg. Unter anderem muss die Autobahnausfahrt Leonberg-Ost für den Verkehr gesperrt werden. "Mittlere Überschwemmungen, aber nichts Gravierendes", sagt Plischek, als sich die erste Unwetterwelle am Abend legt. Allein in der Einsatzzentrale Böblingen werden 74 Einsätze abgewickelt.


Das Gewitter hat im Rems-Murr-Kreis besonders im Raum Backnang zugeschlagen. Ein Schwerpunkt dort ist in Oppenweiler, wo ein Baum auf eine Fahrspur der Bundesstraße 14 ragt. Das Hindernis konnte aber schnell beseitigt werden, heißt es in der Leitstelle der Waiblinger Polizeidirektion. Verletzte habe es keine gegeben. Für Backnang hat der Stuttgarter Meteorologe Jellinghaus ebenfalls hohe Werte: "Binnen einer Stunde hat es dort 40 Liter pro Quadratmeter geregnet", sagt er.

In der Esslinger Feuerwehrzentrale gibt es keine Atempause. Schwerpunkte kann einer der Regisseure nicht erkennen: "Das geht alles quer durch." Unter anderem muss die Kreisstraße 1212 zwischen Deizisau und Plochingen wegen Überflutung gesperrt werden. Unter Wasser steht auch die Filsallee in Plochingen. Reichenbach meldet einen vollgelaufenen Keller, in Esslingen in der Stettener Straße hat ein Blitz in einen Baum eingeschlagen. Im Kreis Göppingen sind in Zell, Albershausen, Hattenhofen und auch Ebersbach-Weiler Keller und Straßen überflutet.
 



Wolf-Dieter Obst, Frank Rothfuß, dpa

04.07.2009 - aktualisiert: 06.07.2009 14:41 Uhr




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