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Was bedeutet eigentlich?

Es beielet

Foto: Piechowski

Das Wetter ist ja gerade nicht danach. Eine Anfrage von Leser Walter Grün aus Backnang hat uns dennoch veranlasst, mitten im Sommer an die kalte Jahreszeit zu erinnern. Herr Grün schrieb: "Es gibt im Schwäbischen ein Gedicht, das geht in etwa so: ,Es schneielet, es beielet, es got an kalter Wend . . .' Was bedeutet: es beielet? Für ein Antwort wär ich ihnen sehr dankbar."

Wenn einer die Antwort geben kann, dann unser Sprachforscher Roland Groner. Doch auch er war bei dieser kniffligen Anfrage zunächst ratlos: "Meine Nachschlagebücher ließen mich im Stich; beiele gehört nicht zum schwäbischen Wortschatz und wird deshalb von den Etymologen auch nicht erklärt." Groners Nachforschungen waren dennoch lohnend: "Da ich jedoch den Anfang dieses Verses kenne, suchte ich in anderen Quellen. Zunächst fand ich einen ähnlichen Kinderreim aus dem Oberschwäbischen:

S rengelet und schneielet,
ond d Baura fiehret Mischt.
Se hocket ouf da Waga nouf
ond schreiet ,hott' und ,wüscht'!

Dann entdeckte ich, dass der Vers zu einem Schweizer Kinderlied gehört; es hat folgendem Text:

Es schneielet, es beielet,
Es geit e chüele Wind.
U d Meitli lege d'Händsche-n-a
U d Buebe laufe gschwind.

Auf einer anderen Internet-Seite fand ich denselben Text, aber mit einer zusätzlichen Deutung von beiele. Es bedeutet in der Schweiz Bienenzucht betreiben, wird aber in diesem Verslein als Reimwort zu schneiele verwendet. Meine Frau meint, dass die Schneeflocken - bildlich gesehen - wie Bienen herumwirbeln, so dass sogar ein gewisser Bezug zu dem leichten Schneefall gesehen werden kann."


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StN

06.07.2009 - aktualisiert: 07.07.2009 16:22 Uhr