Zwiebelfestwirte bieten bei Marktplatzfest erstmals mehr Tropfen aus dem Bottwartal an
Nach den Zwiebeln, die nicht aus Esslingen kommen, ist es jetzt auch der Wein: Beim Esslinger Zwiebelfest bestimmen erstmals Tropfen aus dem Bottwartal die Karte. Der Vertrag der Festwirte mit der Kellerei im Kreis Ludwigsburg sorgt für Furore am Neckar. Hier baut man seit etwa 1200 Jahren Reben an.
Von Birgit Klein
ESSLINGEN. Dass ihre Entscheidung für Wirbel sorgen würde, haben sich die neun Zwiebelfestwirte schon gedacht. So wild aber hätten sie es sich nicht vorgestellt, gesteht Frank Jehle, Wirt vom Palm"schen Bau. Der mit Abstand bekannteste Verteidiger des Esslinger Weines ist Wolfgang Drexler: "Ich halte es für undenkbar, auf einem Fest mit einem starken Stadtbezug - wie es das Zwiebelfest ist - auf den Ausschank von Esslinger Weinen zugunsten irgendwelcher anderer Weine zu verzichten", schreibt der Esslinger Stadtrat, Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsident. Die Stadt hat sich auch schon eingeschaltet.
Die Aufregung kann Jehle jedoch nicht ganz nachvollziehen: "Das ist eine marktübliche Sache. Beim Erdbeerfest gibt es auch nicht nur Esslinger Früchte." Zurück können die Zwiebelfestwirte nicht. Vertrag ist Vertrag. Dieses Jahr jedenfalls stehen Tropfen aus dem Bottwartal ganz oben auf der Weinkarte und nicht die von den Neckarterrassen. Dennoch gibt es eine "ganz klare Regel": "Jeder muss mindestens 40 Prozent Esslinger Weine auf der Karte haben", erklärt Jehle. Das "gute Angebot" der Ludwigsburger war nur ein Grund für die Zwiebelwirte, einen weiteren Weinlieferanten mit ins Festboot zu holen. Von den Esslinger Weingärtnern "fühlen wir uns etwas vernachlässigt", gibt Jehle zu.
Die Entscheidung der Wirte ist "für uns absolut nicht nachvollziehbar", sagt Jochen Knappe, Geschäftsführer der Esslinger Weingärtner, "wir haben mehr als nur eine Offerte abgegeben, um Esslinger Weinkultur zu pflegen". Der Kritik der Wirte wird er sich stellen. "Sie sind auf uns zugekommen. Wir haben uns nicht um das Fest beworben", stellt Günter Dorn, Vorstandsvorsitzender der Bottwartal-Kellerei, klar. Wenn nicht von einer anderen Genossenschaft als der Esslinger ein Angebot vorgelegen hätte, "hätten wir das im Leben nie gemacht".
In Genossenschaftskreisen gehört sich das nicht. "Man wildert nicht in Nachbars Garten", sagt Karl Seiter, Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Heilbronn - Erlenbach - Weinsberg, kategorisch. Dort wird im September das 39. Weindorf veranstaltet. Die Gäste, die vor allem aus der Umgebung kommen, wollen bei dem Fest Heilbronner Tropfen trinken. Der regionale Bezug sei wichtig, so Seiter. Auf dem Stuttgarter Weindorf lässt er sich natürlich ein Stuttgarter Produkt schmecken. Zumindest findet er in jeder Laube eines, weil es die Veranstalter so vorschreiben. Seit ein paar Jahren schauen die Heilbronner über die Grenzen des eigenen Anbaugebiets hinaus - ins Hohenlohische. Die Verlängerung der Stadtbahn nach Öhringen machte es möglich.
Auf Wunsch der Gäste gibt es bei der Ludwigsburger Weinlaube auch einen Stand mit internationalen Produkten, erklärt Peter Buhl, einer der vier Laubenwirte. Vor allem aber werden Rebsäfte aus dem Unterland bei der gut zweiwöchigen Veranstaltung ausgeschenkt. Ihr Zweck war und ist, so Buhl, "regionale Weine zu promoten".
Mit dem neuen Vertrag haben die Zwiebelfestwirte Schlagzeilen gemacht. Hätten sie das gewusst, hätten sie viel Geld für Werbung sparen können, sagt Jehle. Am Ende muss er noch etwas gestehen: Die Zwiebeln für den Zwiebelkuchen kommen nicht aus Esslingen - sondern vor allem aus Spanien.
07.07.2009 - aktualisiert: 07.07.2009 05:43 Uhr