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Fischmarkt

Hamburger Händler solidarisch mit Laubenwirten

Foto: Wagner

Stuttgart - Hamburger und Stuttgarter prosteten sich zu und schunkelten. Doch die Harmonie bei der Eröffnung des 22. Fischmarkts am Donnerstag auf dem Karlsplatz täuscht. Der Streit ums Weindorf in Hamburg brodelt weiter.

Stehen die Zeichen auf Sturm, zeigt sich der Kapitän auf der Kommandobrücke. Mit Günther Oettinger trat erstmals seit Bestehen des Fischmarkts in Stuttgart ein Ministerpräsident bei der Eröffnung auf. Und er versuchte die aus dem Ruder gelaufene Diskussion auf Kurs zu bringen. Neben dem "tollen Kulturaustausch durch das Weindorf in Hamburg und den Fischmarkt in Stuttgart" pries er den Karlsplatz. "Falls der Karlsplatz dem Rathausmarkt unterlegen sein sollte, wird sich das durch die geplanten Bauvorhaben ändern", spielte er auf den Streit ums Weindorf an. Denn die Stuttgarter Laubenwirte, die bis zum Wochenende auf dem Rathausmarkt in Hamburg gastieren, sind dort künftig möglicherweise nicht mehr erwünscht (diese Zeitung berichtete).

Bei Anspielungen auf den Konflikt blieb es bei der Eröffnung des Fischmarkts. Klartext gesprochen wurde vor und nach der Veranstaltung: "Die Weindorf-Diskussion ist völlig daneben", stellt Dirk Marx, Veranstaltungsleiter des Fischmarkts fest. In einem Brief an Senat und Bürgerschaftsabgeordnete habe er sich dafür stark gemacht, dass die Laubenwirte an ihrem Standort am Rathausmarkt bleiben. "Immerhin sind die seit 24 Jahren dort und feiern nächstes Jahr 25. Jubiläum", sagt Marx und schließt nicht aus, dass Stuttgart den Hamburgern im Gegenzug den Karlsplatz streitig machen könnte. "Der Platz ist perfekt. Ihn zu verlieren, wäre eine finanzielle Katastrophe."

Auch Aale-Dieter, seit Beginn des Fischmarkts in Stuttgart mit von der Partie, hält den schwäbischen Wirten die Stange: "Mein Wunsch und der meiner Kollegen ist es, dass das Weindorf am traditionelle Standort am Rathausmarkt fortgesetzt wird." Als "Hamburger Urgestein" sei es ihm persönlich wichtig, dass die Schwaben in den Hamburgern zuverlässige Partner haben, meint der 70-Jährige Marktbeschicker.

Mittlerweile hat sich auch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) an seinen Kollegen und Parteifreund Ole von Beust gewandt. In einem zweiseitigen Brief, der unserer Redaktion vorliegt, bittet er Hamburgs Bürgermeister, sich dafür einzusetzen, dass das Weindorf am Rathausmarkt bleibt. Eine Antwort aus Hamburg gibt es noch nicht. "Herr von Beust wird auf den Brief antworten. Aber er wird sich nicht öffentlich zu internen Schreiben äußern", sagt Senatssprecherin Kristin Breuer auf Anfrage.

Axel Grau, Weindorf-Chef und Geschäftsführer von Pro Stuttgart, fühlt sich durch die Unterstützung von Politikern und den Kollegen vom Fischmarkt bestärkt. "Darüber wird man sich in Hamburg nicht ohne weiteres hinwegsetzen", hofft er.

Der Fischmarkt in Stuttgart bezahlt übrigens keine Platzgebühr. Das Weindorf gastiert in Hamburg ebenfalls elf Tage gratis. Für die Woche, die es länger als der Fischmarkt dauert, fallen rund 30000 Euro an.

Der Fischmarkt dauert bis zum 19 Juli; 10bis 23 Uhr, sonntags 11 bis 23 Uhr.
 

Eva Funke

10.07.2009 - aktualisiert: 10.07.2009 14:36 Uhr