Stuttgart - Es dröhnt, rappelt, kracht und donnert in ihren Songs. Und dennoch schimmert beim Konzertspektakel am Donnerstag vor 35.000 Fans auf dem Cannstatter Wasen immer wieder Empfindsamkeit durch den Brachialrock von Linkin Park.
"What the fuck is wrong with me?", verdammt, was stimmt bloß nicht mit mir?, klagt Chester Bennington schon beim ersten Song. Und er schreit diesen Satz immer wieder so verzweifelt heraus, als ober er sich schon in den ersten fünf Minuten des Konzerts auf dem Wasen für die 35000 Fans die Seele aus dem Leib kreischen wollte. Doch auch anderthalb Stunden später, wenn Linkin Park mit ihrer aktuellen Single "New Divine" den Zugabenblock eröffnen werden, wird er immer noch überzeugend die Rolle des Schreihals mimen, allerdings die eines empfindsamen Schreihalses.
Denn hinter den hypernervösen Nu-Metal-Beats und den aufbrausenden Gitarrenriffs, die die Songs von Linkin Park ausmachen, lauern immer wieder Selbstzweifel. Nicht nur der Opener "Given Up" ist voll davon, auch eine Nummer wie "Somewhere I Belong", bei der Rapper Mike Shinoda an Mikro wechselt, um davon sprechzusingen, dass er eigentlich nichts zu sagen hat, ist ein Bekenntnis zur Ich-Krise. Und "No More Sorrow", in dessen ausgedehntes Intro Bennington "Stutttttgart" hineinruft, bevor seine Band zu einem metallischen Marschrhythmus geisterhafte Syntheakkorde und ein zaghaftes Gitarrenlick über den Wasen fegen lassen, ist in Wirklichkeit nichts anderes als der rasante Soundtrack zu einer empfindsam-entfremdeten Seele.
Bennington liebt zwar die Pose des kreischenden Existenzialisten, doch dahinter lauert eine Grübler und ein Leidender. Aber auch ein Familienvater, der sich seine schwere Rückenverletzungen letztes Jahr nicht etwa beim Stage Diving sondern beim Spielen mit seinen Kindern zugezogen hat. Und auch ein guter Geschäftsmann, der am Donnerstag vor den Zugaben die Gelegenheit nutzt, um für drei Songs sein Nebenprojekt Dead By Sunrise auf die Bühne zu holen und so für das Debüt der Band, das im September erscheint, Werbung zu machen. Viele Fans reagieren jedoch eher mit Missfallen auf dieses Grungerock-Zwischenspiel von Dead By Sunrise, das die Stimmung gegen Ende des Abend merklich sinken lässt.
Überschwänglich ist dagegen zuvor der Linkin-Park-Klassiker wie "Numb" aufgenommen worden. Ein Song, bei dem sich Chester Bennington längst seines T-Shirts entledigt hat und seine Tattoos zur Schau stellt. Bei "Breaking The Habit" entspricht ausnahmsweise einmal ein zartes Klavierintro der inneren Sanftheit, die viele Songs letztlich beseelt. Und als sich die Klavierakkorde dann schneller und schneller im Kreis drehen und in einen Wirbel übergehen, aus dem ein verspielter Groove entsteht, mimt Bennington einmal mehr den Zweifler, verspricht, dass er seine Gewohnheiten ändern will, fragt sich, wie es so weit mit ihm kommen konnte, singt gegen den Rhythmus an, der ihn mit sich fortzutreiben droht.
Zwar gibt es an diesem lauen Donnerstagabend auch Songs, die vorführen, dass Linkin Park längst mit dem Pop flirten - etwa in "Shadow Of The Day", dass verdächtig nach "With Or Without You" von U2 klingt. Doch es sind Songs wie "Bleed It Out" oder "In The End", die auch in Stuttgart klar machen, dass Linkin Park, dann am besten sind, wenn sie sich als zartfühlende Brachialrocker verdingen.
Gunther Reinhardt
31.07.2009 - aktualisiert: 31.07.2009 13:43 Uhr
Lesermeinungen
24.10.2009 17:57
Autor: Susanne S.
Ich habe seit wenigen Tagen endlich die DownloadCD in den Händen und brenne vor Begeisterung und bin daher nun über diese Kommentare hier gestossen, die ich irgendwie kaum nachvollziehen kann: Ja, ich hatte einen Scheiss-Platz, hinter vielzitiertem Zelt und musste drum ringen, einen freien Blick auf die Leinwände zu haben - habe praktisch vom Livegeschehen auf der Bühne kaum was mitbekommen, aber mal ganz ehrlich: bin doch selbst schuld!? Wäre ich 2 Stunden vorher da gewesen, hätte ich mich auch vorne hinquetschen können, oder etwa nicht?
Und wenn ich mir nun die LiveCD anhöre, finde ich auch den ein oder anderen Dialog, der mit dem Publikum getauscht wurde.. .habt ihrs veilelicht verpasst??
Die Kritik an der Spieldauer kann ich auch nicht nachvollziehen!? Herrjeh.. eine Band,d ie gradmal 3 Alben hat (oder hab ich was verpasst!?) und es dennoch schafft ein Abendfüllendes Konzert zu schmeissen und zwar nicht mit langweiligen Liedern, sondern praktisch nur mit Krachern... welche Band schafft das schon? Oder für die Pessimisten andersrum gefragt - welchen Song hätten sie denn sonst noch spielen sollen? Ich persönlich sehne mich nach No Roads Left - ein Titel aus der TourEdition von MtM, aber Gottchen, das war eben nur eine "Zugabe"... und ich muss dauerhaft damit leben, daß sie nie zu einem _offiziellen_ Topsong von LP mutieren wird.... warum schaffen das hier nicht noch ein paar andere Schreiberlinge, die sich an Songs (persönlichen Favoriten) aufhängen, die keine Sau hören wollte?
Und zu DbS ... bis zu dem Konzert wusste ich noch nix von einem Soloprojekt von Chester und ja - ich guckte auch ein wenig doof... gedrückte Stimmung ... ja, da stimme ich auch zu, aber was soll man auch machen, wenn man einen (3) Songs das erste mal hört? Ich habe nun wie bereits erwähnt die LiveCD von Stuttgart und.... ich finde Fire von DbS einfach nur geil, denn in Wirklichkeit hätte es genausogut ein LP-Song sein können, was ich von den anderen Songs nicht behaupten kann.
Und - ja - ich bin kein großer Konzertgänger, aber.... ich war einfach hin und weg, wieviele Menschen bei den Songs "mitschrien", wie man es gerne Chester unterstellt... hätte nicht gedacht, daß soooo viele Leute da mitmachen, vor allem auch bei härteren Songs, wie Given Up, oder No more Sorrow. What I've Done war mir in der Tat etwas zu soft, aber meine Güte... es war kein Konzert alleine für mich und Liveversionen unterscheiden sich immer vom Album und nicht immer in der Art und Weise, wie man es selbst gerne hätte.
Ich fands auf jeden Fall ein geiles Konzert und wenn sich mir mal wieder eine Gelegenheit bietet, bin ich auf jeden Fall bei einem LP-Konzert dabei.... und das nächste mal auch 2 Stunden eher ;-)
Ach noch zu den Vorbands.... fand ich zwar langweilig, doch irgendwann späer, als ich meine MP3 Sammlung mal wieder hörte dachte ich mir "kennst du den Sound nicht irgenwo her!?!" Und ja, wirklich...... COHEED AND CAMBRIA ... wird gewiss nicht meine Lieblingsband, hat aber in meiner MP3-Sammlung seit langem überlebt, kann also nicht so verkehrt sein. Vielleicht findet der ein oder andere ja auch noch den ein oder anderen Song, insofern auch mal Streams von "unbekannten" Gruppen aufgenommen wurden.
Nicht immer soooo pessimistisch bitte.
04.10.2009 16:02
Autor: Arni
der bezug zu dem puklikum war gleich null. hat mir echt gestunken, weil sie normal nicht so sind. zu kurz, eindeutig. und die Vorbands waren nicht grad der hit, so nebenbei gesagt.
01.10.2009 19:46
Autor: Juli
Zu kurz. Für Linkin Park aber anscheinend normal. Schade.
Leider wie schon gesagt keinen Bezug zum Publikum aufgebaut. Find ich zimlich traurig. Ich meine 35 000 Fans, da wäre doch ein kleiner Small Talk angemessen? Oder???
Sind zimlich weit gefahren, und dann war es doch ziemlich enttäuschend.
Trotz toller Musik. Ich werde mir dfür die nächsten 60 Euro fürs Konzert noch gut überlegen ob es mir wirklich wert ist.