Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 04.08.2009

 

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Der Cyberstreit Kommentar

Stetten. Fingerhakeln ist unnötig wegender Glockenkelter. Von Hans-Dieter Wolz
 

Der Konflikt um die Glockenkelter nimmt immer mehr die Züge eines skurrilen, aber modernen Dorfstreits im Internet-Zeitalter an. Eine Art virtuelles Fingerhakeln im Cyberspace der Provinz. Die Kraftprobe findet an der Computer-Tastatur statt. Durch veränderte Karikaturen, versteckt unter privaten Homepages, schmäht der eine, Jörg Reiser, seinen Gegner. Der wiederum, UFW-Gemeinderat Dieter Binder, düpiert den Computerfachmann und bricht in die für ihn gesperrte Homepage ein. Natürlich wird umgehend der Rechner verlassen, um auch noch die ganz reale Staatsgewalt, Polizei und Staatsanwaltschaft, zu bemühen.





Der unbeteiligte Beobachter ist diesem hingebungsvoll ausgetasteten Nebenkriegsschauplatz wenig zugeneigt und fragt sich, was das alles noch mit der für Anwohner entscheidenden Frage zu hat. Es geht darum, wie oft die Glockenkelter für Kultur und private Feiern benutzt werden darf und welche - unvermeidlichen - Belastungen an Lärm durch laute Festgäste, Türenschlagen, Parkplatzsuche und dergleichen den Nachbarn zumutbar sind und welche nicht mehr. Entschieden wird dies durch ein Mehrheitsvotum des Kernener Gemeinderats.





Der Ausbau der Glockenkelter zur Versammlungsstätte entspricht vermutlich dem Mehrheitswillen der Bürger. Wer an letzterem zweifelt, sollte prüfen, ob ein Bürgerbegehren oder ein Bürgerentscheid rechtlich möglich sind. Wer sich unzumutbar belastet fühlt, kann dies gerichtlich überprüfen lassen. Schmähungen auf der einen und Nachtreten an der Grenze der Legalität auf der anderen Seite helfen nicht weiter.
 

04.08.2009 - aktualisiert: 04.08.2009 06:01 Uhr

 

 



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