Stuttgart - Neuer Sender, neue Anstoßzeiten, neue Preise: Der Saisonauftakt in der Fußball-Bundesliga am heutigen Freitag ist für die Betreiber von Sport-TV-Kneipen der Start in eine ungewisse Zukunft. Die Stuttgarter Gastwirte befürchten durch die Änderungen zwar Risiken - sehen aber im breiteren Angebot Chancen.
Als Fußballfan hat man es dieser Tage ja nicht gerade leicht. Im Lieblingsteam gibt es einige neue Gesichter. Die Trikots der Clubs, deren Aussehen der Bundesligagucker besser verinnerlicht hat als die Mitternachtsformel, sind oft nicht mehr dieselben. Und damit die Verwirrung komplett ist, weist nun nicht mehr das knallrote Premiere-Werbeschild, sondern eine in dezentem Grau gestaltete Tafel mit der Aufschrift Sky den Fans den Weg in den TV-Himmel.
Dort kann der Kunde dafür künftig noch länger verweilen. Weil es ab sofort fünf statt drei Anstoßzeiten pro Wochenende gibt, kann der Fußballliebhaber nun zwischen Freitag- und Sonntagabend siebeneinhalb Stunden Live-Spiele anschauen - hinzu kommen Zusammenfassungen und die ganz bestimmt immer kompetenten und unterhaltsamen Analysen. Die Zerstückelung des Spieltages mit je einem neuen Termin am Samstagabend und Sonntagmittag sehen Stuttgarter Wirte mit gemischten Gefühlen. "Das größere Angebot wird zwar keinen neuen Boom auslösen, aber schaden kann es nicht", sagt David Blanco del Rio, Betreiber des Billardcafés 7 in der Wilhelmstraße. Richtig voll werde es in seiner Sportsbar zwar ohnehin nur bei VfB-Spielen oder Duellen namhafter Teams. Die knapp 25 Stammgäste, die sich alle Fußballspiele anschauen, werden künftig, so hofft er, samstags zwei Stunden länger bleiben und sonntags zwei Stunden früher kommen.
Matthias Knobloch vom Wirtshaus zum Hotzenplotz in der Silberburgstraße findet den neuen Spielplan dagegen "nicht ganz glücklich". Das Problem: Eigentlich öffnet die Kneipe sonntags um 17 Uhr. Das erste Sonntagsspiel wird aber schon um 15.30 Uhr angepfiffen. "Wir können ja schlecht sagen, dass wir die Bundesligaspiele zeigen - und dann bei der ersten Sonntagspartie geschlossen haben", sagt Knobloch, "deshalb werden wir künftig früher öffnen."
Und auch der neue Termin am Samstagabend um 18.30 Uhr bringe nicht nur Vorteile. "In den Sommermonaten ist er zwar interessant, weil abends nicht so viel geboten ist und der ein oder andere dann vielleicht doch länger bei uns bleibt", sagt Knobloch, "der Termin fällt aber in die Abendessenszeit rein." Der Nachteil für den Wirt: Wer mittags bereits etwas gegessen hat, bestellt abends nicht erneut eine warme Mahlzeit. Wenn ein Tisch im Laufe des Tages von unterschiedlichen Besuchern belegt ist, steigt die Chance, mehr Gerichte zu verkaufen. "Wir müssen jetzt einfach mal abwarten, wie sich alles entwickelt", sagt Knobloch.
So oder so, eines steht für die beiden Stuttgarter Wirte fest: Das Geschäft mit den Fußballübertragungen rechnet sich trotzdem. Die Statistik des Senders Sky unterstreicht dies. Hatten Ende 2008 bundesweit noch 12000 Kunden Bezahlfernsehen gewerblich genutzt, sind es inzwischen 14000. In Stuttgart zeigen nun 285 Gaststätten Bundesliga- und Champions-League-Spiele.
Und die müssen, um sich weiter Fußballkneipe nennen zu dürfen, demnächst weitaus mehr bezahlen. Zwar hat Sky alle bestehenden Verträge der bisherigen Anbieter Premiere und Arena übernommen. Die meisten davon laufen jedoch im Herbst aus. Wer einen neuen Kontrakt abschließt, wird zur Kasse gebeten. Kostete Wirte, die einen maximal 49 Quadratmeter großen Gastraum betreiben, ihr Abo bislang knapp 2000 Euro im Jahr, zahlen sie nun zwischen 2099 und 2798 Euro - je nachdem, welche Vertragslaufzeit und Zahlungsweise sie mit Sky vereinbaren. Kneipen, die mindestens 100 Quadratmeter groß sind, bezahlen künftig bis zu 4798 Euro. "Wir haben unsere Preise in diesem Sommer angepasst. Dafür bietet Sky ab sofort viel mehr Live-Sport, davon werden unsere Wirte erheblich profitieren", erklärt Sky-Sprecherin Julia Buchmaier. Dieser Tage haben es eben nicht nur die Fußballfans, sondern auch die Kneipenbesitzer nicht leicht.