Einer der berühmtesten Baumeister, die die Landeshauptstadt hervorgebracht hat, ist der Erbauer des Fernsehturms, Fritz Leonhardt. Der 1999 im Alter von 90 Jahren verstorbene Ingenieur galt als eigenwillig, manchen als stur. Einem jüngeren Mitarbeiter hat er im Disput über bautechnische Regeln die Worte "Hören Sie mit dem Normengeschwätz auf. Die Norm bin ich!" entgegengeschleudert. Von der eigenen Genialität überzeugt zu sein, ist vielleicht der wichtigste Charakterzug eines Baumeisters, um Stadtobere vor Bausünden zu bewahren.
Auch wenn - zumal in jüngster Zeit - in der Stadt nicht überall die hohe Kunst des Bauens praktiziert worden ist, so hat Stuttgart zahlreiche Architekten und Ingenieure von Weltruf hervorgebracht, die auch in der Heimat Spuren hinterlassen haben: Von Rolf Gutbrod (1910-1999) stammt die Liederhalle; Jörg Schlaich hat unter anderem das Dach der Mercedes-Benz-Arena konstruiert; den längst denkmalgeschützten Landtagsquader im Akademiegarten hat sich Erwin Heinle (1917- 2002) ausgedacht, Leonhardts kongenialer Partner beim Bau des Stuttgarter Fernsehturms. Heinles Kompagnon, der Wilhelmshavener Robert Wischer (1930-2007) wiederum war einer der führenden Architekten für Krankenhausbauten. So entwarf er vor Jahren auch den Neubau des Katharinenhospitals. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Viele der Genannten verbindet ein architektonischer Grundsatz, der an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart mitentwickelt und gelehrt wurde: Die Form eines Bauwerks folgt aus seiner Funktion, lautet kurzgefasst das Credo der sogenannten Stuttgarter Schule. Aus ihr gingen auch etliche Architekten hervor, die nicht aus dem Schwäbischen stammen, etwa der Architekt des Hauptbahnhofs und Mitbegründer der Stuttgarter Schule, Paul Bonatz (1877-1956) aus Lothringen, oder der gebürtige Dresdener Günter Behnisch, der zusammen mit Frei Otto das Münchner Zeltdach ersonnen hat.
Auch Württembergs Monarchen haben sich nicht nur mit Bauten berühmter italienischer Meister geschmückt. Heimische Architekten kamen ebenso zum Zug. Am Schloss Hohenheim etwa wirkte Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer (1746-1813) mit, Ende des 18. Jahrhunderts Hofbaumeister von Herzog Carl Eugen. Genannt sei auch der königliche Hofbaumeister Christian Friedrich von Leins (1814-1892), der mit dem Architekten Johann Michael Knapp (1791-1861) den Königsbau geplant und gebaut hat, und, und, und . . . Gottlob findet sich immer noch mehr Gelungenes als Missglücktes aus den Jahrhunderten der Baugeschichte - weshalb wir diese Stadt einfach lieben sollten.