Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 19.08.2009

 

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Gemeinderat ist neu - die Themen bleiben

Kernen. Bürgermeister Stefan Altenberger setzt den Bürgersaal und den Discounter wieder auf die Prioritätenliste. Von Hans-Dieter Wolz
 

Der Bürgermeister hat vieles vor, das er dank knapp 23 Millionen Euro auf der hohen Kante zusammen mit den 22 kürzlich gewählten Gemeinderäten verwirklichen will. Das wenigste ist neu daran: Den Ausbau der Kinderbetreuung und den Bau von Kinderhäusern nennt der Schultes und junge Vater nach wie vor als erstes. Der Bau eines multifunktionalen, für Jung und Alt nutzbaren Bürgerhauses steht an der nächsten Stelle. Ein Architektenwettbewerb läuft bereits. Die Ansiedlung eines Discounters wird erst im Mittelfeld genannt. Spannend wird der Sportentwicklungsplan. Im September werden Gespräche darüber beginnen. Im Raum steht der Bau einer neuen Sporthalle. Ob sie gebaut wird und wenn ja, wo ist aber noch offen. In der Priorität steht sie nicht weit vorne.



Im Bau ist schon das Kinderhaus in der Halde, wo von Frühjahr an ein- bis dreijährige Kinder betreut werden sollen. Bis zum Herbst nächstes Jahres soll das alte Schulhaus für die Kinderbetreuung hergerichtet werden: Eine kleine Mensa soll dort neu entstehen, um künftig ein Mittagessen anbieten zu können. Räume werden also zur Verfügung stehen, wenn weitere Gruppen für Kinder unter drei Jahren in Kernen aufgemacht werden müssen.



Außer dem Neubau eines Bürgerhauses ist eine weitere Versammlungsstätte sogar schon beschlossene Sache: Die Glockenkelter in Stetten wird saniert und kann dann für kleinere Veranstaltungen, Weinproben, Konzerte oder auch Hochzeiten gemietet werden. Und noch ein ortsbildprägendes Gebäude wird hergerichtet, allerdings in Rommelshausen: Die Genehmigung für den Umbau des Alten Pfarrhauses zum Polizeiposten liegt schon vor. Im Herbst beginnen die Arbeiten.



Der neue Gemeinderat wird also zunächst nahtlos an die vielen Grundsatzbeschlüsse aus der alten Amtsperiode anknüpfen. Ein Seniorenzentrum soll auch in Stetten entstehen, gebaut und betrieben durch die Diakonie Stetten. Für einen grundlegenden Umbau und den völligen Neubau des Hallenbads stand bisher der gesamte Gemeinderat ein. "Die Realisierung dieser Projekte wird unterm Strich eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur der Gemeinde Kernen mit sich bringen", sagt Bürgermeister Stefan Altenberger.



Wenn sie den Begriff der Infrastruktur für ihr eigenes Leben übersetzen, denken die Bürger nicht nur an Kinderbetreuung, Säle und Abkühlung im kalten Nass. Viele wünschen sich verbesserte Einkaufsmöglichkeiten, auch durch einen Lebensmittel-Billigmarkt, den so genannten Discounter. Noch immer hält etwa die Hälfte des Gemeinderats den Standort Spitzäcker, den vor allem der ansiedlungswillige Lebensmittelhandel bevorzugt, für zu weit von der Ortsmitte und ihren Läden entfernt. Immerhin hat der neue Anlauf für einen Lebensmittel-Billigmarkt mehr Chancen als in der vergangenen Amtsperiode des Gemeinderats: Statt der Mehrheit für die Gegner des Standorts dürften sich die Stimmenanteile zu einem Patt oder gar leichten Vorsprung für die Befürworter gewandelt haben. Der Bürgermeister versucht zusätzlich die festgefügten Fronten aufzuweichen: Er trennt das Thema ausdrücklich nicht von der Zukunft für die aus unterschiedlichen Gründen langfristig bedrohten Vollsortimenter-Supermärkte im Ort, die er ebenfalls sichern will.



Selbst die noch jüngeren Themen der Gemeindeentwicklung, die nach Ansicht von Altenberger in der nächsten Zeit entscheidungsreif werden, sind in der vergangenen Amtsperiode schon angedacht oder gar auf den Weg gebracht worden. Zusammen mit der Kreisbaugesellschaft soll der Gemeindewohnungsbestand erneuert und gar aufgestockt werden. Für die Ortskernsanierungen steht seit kurzem noch mehr Geld zur Verfügung. Straßenbauprojekte nennt der Bürgermeister ganz allgemein. Pläne, die drei Kläranlagen zusammenzulegen, werden die Kernener Bürgervertreter gar ein Jahrzehnt lang beschäftigten. Vier neue Gewerbe- und Baugebiete stehen vor der Erschließung. Und ein ganz besonderes, aus Kernener Sicht noch umstrittenes Ereignis steht bevor: eine regionale Landesgartenschau im Remstal, die allerdings in der nächsten vierjährigen Amtsperiode des neuen Gemeinderats allenfalls geplant werden kann.



Einschränkungen oder Stopp von Projekten, auf die viele Städte jetzt schon ihre Bevölkerung angesichts ausbleibender Gewerbesteuereinnahmen vorbereiten, sind Altenbergers Sorge noch nicht. Nur die Hälfte der prall gefüllten Rücklage hat er seiner Rechnung nach verplant. Das Szenario der ausbleibenden Steuereinnahmen kennt er schon: "Deshalb ist im Moment mal wieder Sparen bei den laufenden Ausgaben der Verwaltung angesagt."





Info: Die erste Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause ist auf Donnerstag, den 24. September im Feuerwehrgerätehaus Stetten angesetzt. Zuvor tagen am Mittwoch, 16. und Donnerstag, 17. September die beiden Ausschüsse im Schulungsraum des Rathauses in Rommelshausen. Alle Sitzungen starten um 19 Uhr.
 

19.08.2009 - aktualisiert: 19.08.2009 06:00 Uhr

 

 



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