Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 24.08.2009

 

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Fahrradfahrer machen sich das Leben unnötig schwer

Fellbach. Zahl der Rad-Diebstähle ist sprunghaft gestiegen. Die Polizei plant zudem eie Aktion gegen Verkehrsrowdys. Von Sascha Sauer
 

Die Flut an Pins wächst täglich. Auf dem Stadtplan im Polizeirevier Fellbach haben die Beamten seit diesem Jahr jeden Fahrraddiebstahl mit einer bunten Nadel markiert. 95 Pins sind es mittlerweile. "Wir hatten Ende Juli schon mehr Diebstähle als im ganzen Jahr 2008", sagt Polizeichef Klaus Auer.



Die Polizei hat bereits reagiert. Die Zahl der spontanen Kontrollen wurde erhöht. Insbesondere Jugendliche, die mit einem hochwertigen Rad unterwegs sind, werden von Beamten überprüft. "Speziell bei polizeibekannten Jugendlichen schauen wir genauer hin", sagt Jugendsachbearbeiter Niels Mayer. Mit Erfolg. In jüngster Zeit waren es sieben Fälle, die zu einer Strafanzeige führten.



Auch eine andere Fährte verfolgten die Beamten: "Wir haben Hinweise bekommen, dass hochwertige Fahrräder zum Preis zwischen 10 und 20 Euro an der Ringstraße verkauft werden", sagt Auer. Die Polizei konnte daraufhin einen stadtbekannter Drogenabhängigen dingfest machen. "Es hat sich dabei um einen typischen Fall von Beschaffungskriminalität gehandelt", sagt Auer. Der Polizeichef appelliert an die Bürger, dass erstens Fahrräder niemals auf der Straße gekauft werden sollten, zweitens nicht zu solch einem günstigen Preis, und drittens bei Beobachtungen solcher Geschäfte umgehend die Polizei verständigt werden sollte.



Doch auch die Fahrradfahrer machten sich das Leben schwer, meint Klaus Auer: "Bei allen abhanden gekommenen Fahrrädern wussten nur sieben Prozent der Besitzer ihre Rahmennummer." Da sei es natürlich schwierig, aufgefundene Räder zuzuordnen. Deshalb sollten Radler außer ihrer Rahmennummer auch den Typ der Gangschaltung oder Bremsen kennen. Kann ein Fahrrad seinem Besitzer nicht zugeordnet werden, wird es im Rathaus versteigert.



Das Thema Fahrrad wird die Fellbacher Polizei auch in nächster Zeit beschäftigen. Die jüngste Bürgerbefragung hat ergeben, dass undisziplinierte Fahrradfahrer die Gemüter der Bevölkerung bewegen. "Dass dieses Thema ganz oben auf der Agenda steht, kam für mich überraschend", sagt Auer. In Zusammenarbeit mit der Stadt will sich die Polizei jetzt dieser Problematik stellen. "Wir planen eine Schwerpunktaktion im Herbst", sagt Auer. Dabei sollen vor allem die Hauptunfallursachen wie Radwegbenutzung entgegen der vorgeschriebenen Richtung, Rotlichtfahrten oder Vorfahrtsverletzung bekämpft werden.



"Der Bereich Alkohol wird bei der Aktion genauso eine Rolle spielen wie das Fahren auf dem Gehweg", sagt Auer. Auch das Thema Fahrradhelm soll zur Sprache kommen. "Im Rems-Murr-Kreis hat es in diesem Jahr bereits zwei tödliche Fahrradunfälle gegeben", erzählt Auer. "Hätten die Fahrer einen Helm getragen, wären sie immer noch am Leben."



Wieso verhalten sich viele Radler wie Verkehrsrowdys? Klaus Auer nennt zwei Gründe: "Es gibt nur eine sehr geringe Ahndungsquote, und die Fahrradfahrer haben meist kein Unrechtbewusstsein." Bei der dreiwöchigen Schwerpunktaktion im Herbst soll verkehrsgefährdendes Verhalten sofort sanktioniert werden. Klaus Auer blättert im aktuellen Bußgeldkatalog für Radfahrer. "Eine Rotlichtfahrt kann mehr als 100 Euro kosten", sagt der Polizeichef. Und weiter: "Wer betrunken mit dem Fahrrad einen Unfall verursacht, ist schnell mehr als 1000 Euro los."
 

24.08.2009 - aktualisiert: 24.08.2009 06:00 Uhr

 

 



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