Weissach - Das Image der Jäger im Kreis Böblingen hat einen Kratzer mehr abbekommen: In Weissach erschoss ein 83-jähriger Waidmann eine grau-schwarz getigerte Hauskatze, die er mit einem Jungdachs verwechselt hatte. Die Katzenbesitzer zeigten den Jäger an, der demnächst Post vom Landratsamt bekommen wird – von der Bußgeldstelle, weil er eine Ordnungswidrigkeit begangen hat.
Die Ölmühle in Weissach ist ein Katzenparadies. Gleich hinter der Mühle hat es ein kleines Wäldchen. Kimba, der schwarz-grau getigerter Straßenkater, hat sich hier "pudelwohl" gefühlt, erzählt Tim Wensky. Er ist extra mit seiner Frau und den beiden Katzen hierher gezogen. Als Kimba vor gut zwei Wochen abends nicht heimkam, wunderte sich Wensky. Als der Streuner am anderen Morgen noch immer nicht aufgetaucht war, machte sich Wensky auf die Suche. Seinen erschossenen Kater fand er etwa 200 Meter von der Mühle entfernt.
Dies stimmt auch mit den Ermittlungen der Polizei überein. Und genau das ist das Problem des Jägersmannes. Das Landesjagdgesetz erlaubt ihm zwar streunende Katzen in seinem Jagdbezirk zu töten, aber nur wenn sie "mehr als 500 Meter zum nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden". Sie räubern unter Bodenbrütern wie Rebhühnern, erklärt Kreisjägermeister Bodo Sigloch die Regelung. Der überwiegende Teil seiner Kameraden lege nicht auf streunenden Katzen an. "Dass das passiert ist, ist schlecht", sagt Sigloch, "das weiß der Jagdpächter auch." Seit mehr als 100 Jahren ist die Jagd an die Familie des Schützen verpachtet. Nächstes Jahr laufe die Pacht aus, so der Kreisjägermeister. Er hat sich im Namen der Jägerschaft bei Tim Wenksy und seiner Frau entschuldigt.
Der Fall beschäftigt nun auch die Jagdbehörde. Der 83-Jährige soll sich im Zuge des Bußgeldverfahrens zu den Vorwürfen äußern. "Wir müssen uns ein Bild machen", sagt Christian Kirch, stellvertretender Forstamtsleiter. Ihm ist aber klar: Der Vorfall schadet dem Image der Jäger. Zumal voriges Jahr ein Jäger versehentlich ein Rind erschoss.
Im Juni 2008 hatte in Gärtringen ein Gastjäger aus dem Kreis Esslingen im Dunkeln ein Saler-Rind geschossen. Das 500-Kilo-Tier hatte er für ein Wildschwein gehalten. Der Jäger kam mit einer Verwarnung davon. Anders der Waidmann, der im August 2007 in Weissach einen angeleinten Hund niederstreckte. Er hatte ihn mit einem Wildschwein verwechselt. Seinen Jagdschein gab er ab, bevor ihn das Landratsamt einzog. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung der Hundebesitzerin, die einen schweren Schock erlitten hatte, wegen Sachbeschädigung und wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz stellte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein.