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Genreschau beim Fantasy-Filmfest

Alles, was die Nerven kitzelt

Jon Foster in "Tenderness“
Foto: Veranstalter

Stuttgart - Vampire und Mutanten, Viren und böse Babys. Das Fantasy-Filmfest im Kino Metropol zeigt die aufregendsten Streifen des Horror-, Thriller- und Science-Fiction-Genres.

Das Baby quengelt in der Wiege. Seine Mutti bereitet ihm das Fläschchen. Doch - Oh, Schreck! - im Fläschchen ist keine Milch, sondern eine dunkelrote Flüssigkeit. "Grace" ist nur einer von mehreren Streifen, die angehenden Eltern die Risiken und Nebenwirkungen des Kinderkriegens nahebringen möchten. Ohne pädagogischen Bezug natürlich. Denn hier geht es nur um den Nervenkitzel. Sonst wäre dieser Kinderhorror wohl kaum beim Fantasy-Filmfest gelandet, das ab Mittwoch im Stuttgarter Metropol-Kino wieder eine Woche lang für Angst und Schrecken sorgen wird.

Mit 70 Lang- und sieben Kurzfilmen präsentiert das Festival zum 23. Mal einen Streifzug durch aktuelle Genreproduktionen aus den Bereichen Horror, Thriller und Science-Fiction. Neben den bösen Kindern in "Omen"-Tradition haben auch Vampire Konjunktur. Nicht nur der schwedische "Vampyrer" setzt auf Blutsauger, sondern auch der südkoreanische "Oldboy"-Regisseur Chan-wook Park, der mit "Thirst" bereits in Cannes auffiel. Weniger kunstvoll, dafür actionreicher versucht die Comic-Verfilmung "Blood - The Last Vampire" sein Publikum zu fesseln.

Und was wäre das Jahr der Schweinegrippe ohne Beiträge dazu aus dem Horror-Metier? Fiese Viren toben sich nicht nur im Eröffnungsfilm "Carriers" aus, sondern lassen auch friedliche Bürger zu Kannibalen mutieren ("Mutants"). Mit Spannung erwartet wird der von Peter Jackson produzierte Sci-Fi-Thriller "District 9", der die Rassentrennung im südafrikanischen Johannesburg neu interpretiert. Hier brodelt es nicht zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen Menschen und Aliens. Viel versprechend auch der Psychothriller "Tenderness" mit Russell Crowe und Jon Foster.

Beim Filmfest fehlen auch nicht die neuesten Werke altbekannter Regisseure: John Woo (dessen Historienepos "Red Cliff" leider nur in der gekürzten internationalen Fassung zu sehen ist), Dario Argento (der in "Giallo" einen Serienkiller auf Mailand loslässt) oder Ole Bornedal (Dänemarks spannendster Export mit dem bildgewaltigen "Deliver Us From Evil") geben sich die Ehre.

Wie in jedem Jahr wird es aber auch dieses Mal wieder aufregende kleine Filme zu entdecken geben. "Polytechnique" beispielsweise, der den Amoklauf an einer kanadischen Hochschule klaustrophobisch einfängt. Oder "Bronson", eine Tour de Force über einen äußerst brutalen englischen Sträfling.

Damit aber auch der Spaß nicht zu kurz kommt, wartet das Festival mit ein paar schwarzhumorigen Streifen auf. In "Doghouse" werden ein paar Jungs von Mädchen drangsaliert, die den Begriff Fingerfood wortwörtlich nehmen. Herrlich schrägen britischen Humor verspricht auch Phil Claydons "Lesbian Vampire Killers". Wer es dezenter mag und obendrein auf die Agentenfilme der 1960er Jahre steht, dem sei "OSS 117 - Lost In Rio" ans Herz gelegt, eine liebevolle Genrepersiflage mit einem unwiderstehlichen Jean Dujardin.
 

Wolfram Hannemann

31.08.2009 - aktualisiert: 31.08.2009 18:40 Uhr

 



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