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OB Schuster wird 60

"Ich habe mich im Grunde nicht geändert"

Foto: Kraufmann

Er fühlt sich jung, fit und so neugierig wie beim Amtsantritt vor fast 13 Jahren
 

Stuttgart - "Happy birthday, Oberbürgermeister" heißt es am Samstag bei einem Empfang im Stuttgarter Rathaus und beim OB daheim, "alles Gute zum Geburtstag." Wolfgang Schuster vollendet sein 60. Lebensjahr. Ein Gespräch mit dem Jubilar.

Herr Schuster, jetzt sind es 60 Jahre. Gemischte Gefühle?
In früheren Jahren dachte ich immer, wenn du 60 bist, bist zu alt. Heute fühle ich mich jung und fit und bin Gott sei Dank auch gesund. Insoweit wird diese Zahl hoffentlich keine wesentliche psychische Beeinträchtigung mit sich bringen.

Als Sie das Oberbürgermeister-Amt antraten, waren Sie 47. Was unterscheidet den Wolfgang Schuster heute von dem Wolfgang Schuster 1997? Handeln Sie heute weiser?
Ich glaube, im Grundsatz habe ich mich nicht geändert. Ich bin immer noch neugierig und freue mich jeden Tag, wenn ich etwas Neues lernen und wenn ich Menschen begegnen kann. Ich nehme meine Aufgabe immer noch gern wahr, auch wenn das Tempo heute höher und die Aufgabe komplexer ist. Das hat natürlich mit dem medialen Umfeld zu tun, etwa mit dem Internet.

Sie sehen das ähnlich wie die Stadträte, von denen manche eine Art Terror durch E-Mails beklagen?
Es ist durch die schnelle Kommunikation ein ungeheurer Erwartungsdruck da, dass wir auch komplexe Lösungen möglichst sofort präsentieren. Das ist häufig aber nicht möglich, zumindest dann nicht, wenn man auf Qualität und Nachhaltigkeit Wert legt.

An runden Geburtstagen denken die Menschen etwas konzentrierter über ihre wichtigsten Ziele und Vorsätze nach. Was nehmen Sie sich vor?
Privat hoffe ich natürlich, dass meine Familienangehörigen und ich gesund bleiben. Beruflich möchte ich dafür arbeiten, dass junge Menschen eine faire Chance erhalten wie es bei uns einmal der Fall war. Gerade jetzt und vielleicht in den nächsten zwei oder drei Jahren werden wegen der Wirtschaftskrise für junge Leute vielleicht viele Türen verschlossen sein. Dabei können wir uns das gar nicht leisten angesichts der demografischen Entwicklung. Irgendwann fehlt den Unternehmen qualifiziertes Personal.

Und sonstige Ziele?
Natürlich hoffe ich auch auf weiteres friedliches Zusammenleben, nicht nur in unserer Stadt. Das ist alles nicht selbstverständlich. Ich war 1968 bei der Bundeswehr, als Europa geteilt war. Ich weiß noch, wie ich auf meinem Rucksack und meinem Gewehr saß im August 1968, als der Prager Frühling von Truppen des Warschauer Paktes gewaltsam beendet wurde. Ich hatte gerade das Abitur in der Tasche und dachte: "Schade, jetzt wirst du Kanonenfutter." Wir wussten noch gar nicht richtig wie ein Gewehr funktioniert, sollten aber den Bayerischen Wald abriegeln, wissend, dass auf der anderen Seite die Panzerverbände des Ostblocks stehen.
 

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