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Nach Winnenden

Polizei erhält Schutzkleidung

Foto: dpa

Stuttgart - Sechs Monate nach dem Amoklauf von Winnenden zieht Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) weitere Konsequenzen. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur kündigte Rech am Freitag an, dass die Schutzausrüstung der Polizisten verbessert wird. Sie sollen schusssichere Schutzhelme und einen speziellen Schulter- und Halsschutz erhalten. Auch zur Sicherung von Schulen vor Amokläufen liegen erste Vorschläge auf dem Tisch.

Das Motiv von Tim K., der am 11. März 15 Menschen und sich selbst tötete, bleibt unklar. Der 17-Jährige hatte in Winnenden (Rems-Murr- Kreis) überwiegend auf die Köpfe seiner Opfer geschossen. Am Ende seiner Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) verletzte er zwei Polizeibeamte an Hals und Gesicht schwer. Die Polizisten waren nur mit einer Schutzweste ausgestattet, der Kopf war ungeschützt. In einem internen Bericht hatte die Polizei einen höheren Schutz für Beamte gefordert.

Dem Bericht zufolge war die interne Kommunikation der Einsatzkräfte in Winnenden und Wendlingen wegen der veralteten analogen Funktechnik minutenlang gestört. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Baden-Württemberg, Joachim Lautensack, fordert daher Digitalfunkgeräte für jeden Polizisten: "Es darf bei der Einführung des digitalen Funks nicht zu Behinderungen kommen. Die Polizisten vor Ort warten dringend darauf."

Die Polizei sollte ursprünglich schon 2006 deutschlandweit mit digitalen Funkgeräten ausgestattet werden. Die Planung verzögerte sich und nun soll die abhörsichere Technik bis 2012 eingeführt werden. A

mokalarmsignale und Sprechanlagen, Türspione und Türknäufe könnten den Schutz von Schulen verbessern, sagte Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky in einem dpa-Gespräch: "Wer später kommt, muss klopfen." Der Vertreter des Städtetags in dem von der Landesregierung eingerichteten "Expertenkreis Amok" betonte: "Es muss etwas passieren, auch wenn es viel Geld kostet." Der Expertenkreis will seine Empfehlungen in wenigen Wochen fertigstellen und dem CDU/FDP-Ministerrat vorlegen. Das Land sei dringend gefordert, Schulsozialarbeit künftig wieder zu fördern, sagte Hesky.

Laut Polizei hatte der Amokläufer keine Mittäter, es gab keine Mitwisser. "Die Frage nach dem Warum wird niemand abschließend beantworten können", sagte Rech. "Nach wie vor bin ich fassungslos und frage mich nach dem Warum."

Der Innenminister sprach sich erneut dafür aus Killerspiele zu verbieten - sie tragen nach seiner Überzeugung zur Verrohung der Jugend bei. Zudem müsse die Medienkompetenz von Jugendlichen gestärkt und ein positives Schulklima geschaffen werden. "Ich hoffe sehr, dass uns allen das Mitgefühl bleibt und wir uns wieder mehr und intensiver den jungen Menschen zuwenden - jeder an seinem Platz und in seiner Funktion. Damit wäre viel erreicht."

Die Polizei hat ihre Ermittlungen zum Amoklauf abgeschlossen. Die Akten wurden an die Staatsanwaltschaft Stuttgart übermittelt. Im September oder Oktober soll entschieden werden, ob gegen den Vater des Amokläufers Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen wird. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen ermittelt, weil Tim K. dessen Waffe und Munition benutzte. Der Vater soll von den psychischen Problemen des 17-Jährigen gewusst haben und die Pistole trotzdem in seinem Schlafzimmer liegen gelassen haben. In Winnenden erinnert noch eine aus roten Backsteinen aufgetürmte Klagemauer in der Kirche St. Karl Borromäus an das Blutbad.
 

dpa/lsw

04.09.2009 - aktualisiert: 04.09.2009 15:46 Uhr

 



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