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Fantasy Filmfest

Von der Stirne heiß rinnen muss der Angstschweiß

Die Comicadaption „Largo Winch“ läuft am Sonntag um 19.15 Uhr beim Fantasy-Filmfest
Foto: Verleih

Stuttgart - Der Kinosaal ist voll, die Klimaanlage arbeitet an den Grenzen ihrer Kapazität. Und dennoch lässt sich die tropische Hitze im Stuttgarter Metropol-Kino nicht verhindern. Aber das Publikum lässt sich die Laune trotzdem nicht verderben. Wer hier auf den Kinosesseln Platz nimmt, ist angstschweißerfahren.

Die Stimmung ist ausgelassen, als am Donnerstagabend eine vielversprechende amerikanische Splatterkomödie auf dem Programm des Fantasy-Filmfests steht - "Wasting Away" von Matthew Kohnen. Das Neue daran: Das Horrorszenario wird dieses Mal aus der Sicht von Zombies geschildert. Nachdem sie versehentlich eine hochgiftige Substanz eingenommen haben, mutieren zwei Pärchen zu Zombies. Allerdings ohne es zu merken.

War ihre Welt bislang einfach nur trist (und in Schwarz-Weiß), so gaukelt ihnen die leuchtend grüne Droge jetzt eine knallbunte Traumwelt vor. Sie fühlen sich wie Super-Soldaten. Ihr erklärter Feind: Normalos, die aus Zombiesicht richtig böse Menschen sind. Das Schlachtfest darf beginnen. Kohnens Film beginnt vielversprechend, verbraucht aber schon in der ersten Hälfte die meisten guten Ideen und kann danach sein Tempo nicht mehr halten.

Für die Nachtschwärmer unter den Besuchern präsentierte das Festival zu mitternächtlicher Stunde noch eine Delikatesse: In "Pontypool" des Kanadiers Bruce McDonald wird ein kleiner Radiosender Ohrenzeuge unerklärlicher, gewalttätiger Ausschreitungen. Der fast ausschließlich in der abgeschotteten Welt des Sendestudios spielende Film lebt von seinem überragenden Hauptdarsteller. Stephen McHattie in der Rolle des exzentrischen Radiomoderators mit sonorer Stimme und Cowboyhut ist derart brillant, dass man förmlich an seinen Lippen klebt. Da wundert es nicht, dass es in diesem Film gerade das gesprochene Wort ist, das Menschen zu Bestien werden lässt. Eine Filmperle.

Dabei hatte das Fantasy-Filmfest am Mittwochabend eher bescheiden angefangen. Der Virenthriller "Carriers" in "Mad Max"-Optik konnte wegen ärgerlicher Regiefehler nicht wirklich überzeugen. Nach "Tell Tale" (mittels übernatürlicher Kräfte wird illegaler Organhandel aufgedeckt) und "Coffin Rock" (ein Psychopath bedrängt eine verheiratete Frau), die beide guten Genrestandard repräsentieren, bescherte der australische Geisterfilm "Lake Mungo" den ersten Höhepunkt des Festivals. Regisseur Joel Anderson inszenierte die Geschichte über ein ertrunkenes Mädchen als Dokumentarfilm. Und das so perfekt, dass man wahrhaftig versucht ist, ihm Glauben zu schenken.

Der Streifen darf sich nun verdientermaßen Hoffnung machen auf den Fresh Blood Award, also jenen mit 4000 Euro dotierten Publikumspreis für Nachwuchstalente, den das Festival ausgeschrieben hat.
 

Wolfram Hannemann

04.09.2009 - aktualisiert: 04.09.2009 18:27 Uhr

 



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