Artikel aus der Filder Zeitung vom 09.09.2009

 

Drucken

Geköpfte Hasen: Füchse leisten saubere Arbeit

Bonlanden. Überraschende Wende: Die fünf Hasen wurden nicht von Menschen, sondern von Raubtieren getötet. Von Tim Höhn
 

Für viel Wirbel sorgte das Drama im Bonlandener Hasenheim. Nachdem im dortigen Streichelzoo fünf geköpfte Hasen gefunden worden waren, begannen die Spekulationen. Eine These: Die Täter könnten Satanisten sein, die in einem rituellen Akt Tiere töten. Eine andere These: Vielleicht hat ein neidischer Nachbar die wehrlosen Hasen in einem Racheakt ermordet. Als sicher galt lediglich, dass üble Tierschänder am Werk waren. Uli Böpple, Besitzer des Hasenheims und der toten Hasen, lobte für Hinweise, die zu den Tätern führen, eine Belohnung in Höhe von eintausend Euro aus. Andere Tierfreunde in Bonlanden waren in Sorge. "Alle hier hatten ein ungutes Gefühl und Angst um ihre Tiere", sagt Böpple.



Und jetzt kommt die unglaubliche Wende. Es waren keine Tierschänder, nicht einmal Menschen. Es waren Füchse. So lautet das überraschende Resultat einer von der Polizei in Auftrag gegeben Untersuchung. "Das Ergebnis ist hieb und stichfest", versichert Michael Schaal, Sprecher der Esslinger Polizeidirektion.



Angefertigt hat das Gutachten das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach (CVUA). "Die Hasen weisen Spuren von Rissverletzungen auf", heißt es in dem Bericht der Experten. "Alle morphologischen Anzeichen sprechen für die Tötung durch ein Raubtier, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch einen Fuchs." Das wiederum erklärt, warum am Tatort weder die Köpfe der Hasen noch Blut gefunden wurde. "Das entspricht dem typischen Jagdverhalten", sagt Gerhard Stehle, Leiter des Esslinger Kreisveterinäramts. Füchse trennen ihren Opfern die Köpfe ab, schleppen diese weg, lecken das Blut auf und kommen erst später wieder, um auch den Kadaver zu holen. Stehle: "Die Köpfe werden sehr sauber abgenagt."



Der Fuchs hat also saubere Arbeit geleistet. Das ist wohl auch der Grund, warum die Polizei mit ihrer ersten Einschätzung so weit daneben lag und von Anfang an von einem Verbrechen ausging. "Jeder, der die toten Hasen gesehen hat, musste vermuten, dass dieser Schnitt mit einem Messer gemacht wurde", sagt Schaal. Auch er selbst sei total überrascht von der Diagnose der Veterinäre. An einen vergleichbaren Fall könne er sich nicht erinnern.



Bei Uli Böpple geht diese Überraschung noch weiter. Der 46-Jährige ist nach wie vor skeptisch, was die wahren Täter angeht. "Ich habe den Bericht gelesen und es ist für mich schwierig, das alles so zu glauben", sagt er. "Aber wenn es tatsächlich Füchse waren, ist es für alle mit Ausnahme der Hasen eine gute Nachricht: Dann muss wenigstens niemand mehr Angst vor Tierschändern haben." Er selbst wolle sich jedoch in nächster Zeit keine neuen Hasen zulegen. "Bevor nicht zu tausend Prozent geklärt ist, was genau passiert ist, mache ich gar nichts - und bleibe wachsam in alle Richtungen."
 

09.09.2009 - aktualisiert: 09.09.2009 06:00 Uhr

 

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise